Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 9 (September 1909)
- Article
- Der Antisemitismus in Rußland
- Date
- 1909-09-01
- Page
- 489 (sequence 4)
- Language
- German
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Juden ist ha$f was jeden: Kenner der Verhältnisse zunächst in die Augen springt. Diese Armut ist so groß, daß sie wühl selten ihresgleichen findet. Erführe der arme, unglückliche Jude, der mit seiner hungernden Familie irgendwo in einer Vorstadt von Wilna lebt, daß ein satter, ja übersättigter gnädiger Herr in Petersburg oder Moskau über die von Inder: angesammelten Reichtün:er redet nrid behauptet, daß die Juden von der Ausbeutung 'ihrer Umgebung leben, er'würde es für einen schlechten Scherz halten, es wäre für ihn gerade so, als ob rnan von einem Narren wie von einen: hervorragend weisen Kopfe, oder von den riesigen Besitztümern eines Landstreichers redete." Leider hat auch ein deutsches antisemitisches Pamphlet, das bekannte Buch des Herr:: Dühring über die Judenfrage in Rußland, viel Unheil gestiftet. Tolstoi bringt einige Auszüge aus diesen: Buch und spricht sich darüber folgendermaßen aus: ' „ An g es ich t s des allerdings skandalös e n Erfolges, den dieses B u ch seinerzeit in Deutschland hatte ::nd gegenwärtig in Rußland hat, ein Erfolg, der feilte Erklärung in der zwar unanständigen, aber für einen gewissen Teil des Publikums gerade deshalb pikanten Schneidigkeit der Dühringschen Art findet, halte . ich es sogar nicht für überflüssig, hier noch einige recht bezeichnende Sähe aus seinem, einem gelehrten Pasquill nicht unähnlichem B::che mitzuteilen." Unseren Antisemiten möchten wir folgende Ausführungel: ins Stammbuch schreiben: „Das durchaus zweifelhafte Verfahren, ganzen Volksstälnmen und Rasse:: ihnen ausschließlich oder vorwiegend zukommende moralische Vorzüge und Fehler zuzuschreiben und darauf nicht nur persönliche Zu- oder Abneigung, sondern selbst allgemeine Rechts- und Verwaltnngsgrundsätze zu gründen, würde zu allgemeiner Anerkennung gelangt (wovor uns Gott bewahre!), unerwartete und höchst gefährliche Folgen nach sich ziehen: man begibt sich damit aus eine schiefe Ebene, deren Ende nicht abzusehen ist. Heute entschließt sich das russische Volk, mit den Juden kurzen Prozeß zu machen, n:argen wird es dasselbe mit den Armeniern und Griechen und übermorgen mit den Deut-