Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1909)
- Article
- Eine Predigt in der Londoner Westminster-Abtei
- Date
- 1909-07-01
- Page
- 472 (sequence 3)
- Language
- German
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47-2 Im deutschen Reich. Hand den Mitgliedern dieser großen Rasse reichen?" Der Kanonikus Duckworth hatte zum Text gewählt: Matthäus 27, 41 und 42. „In gleicher Weise sagten ihn verspottend der Hohepriester mit den Schriftgelehrten und Aeltesten: „Er hat andere gerettet, sich selbst kann er nicht retten. Er ist der König von Israel; laßt ihn nun herunterkommen vom Kreuz, dann wollen wir ihm Glauben schenken."-Dieser Bericht bedarf kaum eines Kommentars; es liegt auf der Hand, daß das Missionswerk, das darauf abzielt, die Juden zum Abfall zu verleiten, von uns lebhaft zu bedauernde Erfolge, weit größere, erzielt, als der Antisemitismus durch seine gehässigen Ausfälle gegen das Judentum und die Juden. So widerwärtig und abstoßend der Rassenantisemitismps ist, fügt er doch dem Judentum geringere Nachteile zu als jene freundlichen Gönner, die uns unser Teuerstes rauben wollen: unsere religiöse Ueberzeugung, den Zusammenhang mit unfern großen Traditionen und mit unserer Familie. Oiscüe moriiti! Iirr Schatten 6 er Titanen. Das von Lily Braun verfaßte Buch „Im Schatten der Titanen" enthält Schilderungen aus den Anschauungen ihrer Großmutter, Jenny von Gustedt, geb. von Pappenheim, einer Freundin Goethes, die an ihre Kinder, adlige Offiziere und Gutsbesitzer, folgendes schreibt: „Ich teile den Haß gegen die jüdischen Gesinnungen, nur daß ich das „jüdisch" als Eigenschaftswort für unsere Zeit, und nicht bloß für die Juden ansehe. (!) Wenn heute alle Juden verschwänden, blieben unzählige Christen aller Nationen, um den „jüdischen" Geist fortzusetzen. Wenn der Ursprung dieser Gesinnung den Juden nicht ganz, aber vielfach zur Last fällt, so müssen wir nicht vergessen, daß die Folgen von Druck, Qual, Mißhandlungen, während vieler hundert Fahre nicht durch Emanzipation von einem halben Jahrhundert ausgeglichen werden können und ein mehr als tausendjähriger Haß sich nicht in fünfzig Jahren verwischt. Daß sie ohne Vaterland eine kompakte Masse geblieben sind, gereicht ihnen zum Ruhm, uns Namenchristen aber zum Vorwurf. Im Eifer für ihre Idee leugnen die Antisemiten fast