Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1909)
- Article
- Eine Predigt in der Londoner Westminster-Abtei
- Date
- 1909-07-01
- Page
- 471 (sequence 2)
- Language
- German
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Vermischtes. 471 „Daily Telegraph" veröffentlichte kürzlich einen „Unsere Pflicht Len Juden gegenüber" überschriebenen Bericht über einen Gottesdienst in der Westminster-Abtei, in dem ein Auszug der Predigt des Kanonikus Robinson Duckworth mitgeteilt wurde, die sich aus die Kollekte für die Judenmission bezog. Duach hat der Herr Kanonikus gesagt: „Es wird uns berichtet, daß es in London etwa 150 000 Juden gibt, von denen vielleicht 120000 in dem Stadtteile Stepney wohnen. Die meisten von ihnen sind arm. Ein großer Teil derselben find Flüchtlinge, die seit 1880 in unser Land gekommen sind, um den Verfolgungen und der grausamen Gesetzgebung in Osteuropa zu entgehen. Es war selbstverständlich, daß in den Parochien des Londoner Ostends, in denen die Juden 50 bis 90 Prozent der Bevölkerung bilden, die christlichen Geistlichen mit einem sehr schwierigen und ängstlichen Problem zu schaffen hatten, und daß sie einer ganz besonderen Hilfe bedurften, wenn sie in diesem Teile ihre Aufgaben pflichtgemäß erfüllen sollten. Könnte es nun einen geeigneteren Tag als den heutigen geben, der Pflicht zu gedenken, die wir der Rasse gegenüber haben, der unser Herr und Heiland angehört hat. Nach seinen eigenen Worten kommt das Heil v o n den Jude n. Sie haben also einen Anspruch an uns und wir ihnen gegenüber eine Schuld, die von der Kirche noch niemals ausgeglichen worden ist. In der Tat gibt es keinen Teil unseres christlichen Missionswerkes, der so gründlich vernachlässigt worden'ist, wie dieser, obgleich wir stets am Jahrestage der Kreuzigung bei unserer Kollekte das Gebet einschalten, daß Gott sich „aller Juden erbarme^ möge" — sie werden dabei vor allen Andersgläubigen genannt — und daß er „von ihnen alle Unwissenheit, Herzenshärtigkeit und Verachtung seines Wortes nehmen und sie zu seiner Herde zurückführen möge." Wir haben seine eigene Anweisung für das kirchliche Evangelisationswerk vergessen, daß „Buße und Verzeihung der Sünden in seinem Namen allen Völkern, beginnend mit Jerusalem, gepredigt werden solle." Wir haben auch den Herzensschrei des größten aller bekehrten Juden vergessen: „Mein Herzenswunsch und Gebet zu Gott für die Israeliten ist, daß ihnen Rettung -werde." Sollten wir da nicht gerade heute eine hilfreiche