Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1909)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1909-07-01
- Page
- 455 (sequence 3)
- Language
- German
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Ver eins n a chri chten. 455 Gesänge des „Integer vitae" und dann erfolgte die Ueberführung der sterblichen Reste Pinners nach dem jüdischen Friedhofe in Weißensee, wo der Verstorbene, der so vielen viel, uns aber mehr gewesen, zur letzten Ruhe gebettet wurde. Das Andenken des trefflichen Mannes wird in unseren Kreisen stets lebendig bleiben' — In der Reichstagssitzung vom 19. März d. I. hat der Abgeordnete Kopsch sich in sehr ausführlicher Weise über die Zurücksetzungen jüdischer Einjähriger aus konfessionellen Motiven geäußert. Die Rede des Herrn Abgeordneten Kopsch ist leider in der Presse, auch in der liberalen, seinerzeit nicht mit der ihr gebührenden Ausführlichkeit wiedergegeben worden. Insbesondere wurde eines Falles, der in ganz besonderem Maße das Interesse der breitesten Oeffentlichkeit erregen müßte, fast nirgends gedacht. Wir geben die Ausführungen des Herrn Abgeordneten Kopsch zu diesem Fälle hier wörtlich wieder: „Einen Beweis, daß die Militärbehörde nicht allein verantwortlich gemacht werden kann, sondern daß es der ganze Geist des Offizierskorps ist, der zu Rechtsverletzungen und zum Zuwiderhandeln gegen Erlasse des Kaisers führt, liefert ein Fäll aus Chemnitz, wo gegen einen Or. Mühlfelder vorgegangen worden ist. Dieser Fall ist so charakteristisch, daß ich mir erlaube aus dem Schreiben des Dr. Mühlfelder, eines angesehenen Rechtsanwalts zu Chemnitz, einiges mitzuteilen. Or. Mühlfelder diente beim 104. Regiment „Kronprinz" in Chemnitz. Er beantragte Weihnachten 1907 beim Bezirkskommando Chemnitz seine Zurwahlstellung zum Reserveoffizier. Auf dieses Gesuch bekam er einen Fragebogen zugesandt, den er sogleich ausfüllte. Aber es gingen viele Monate darüber hin, ehe er über sein Gesuch etwas hörte. Im August 1908 wurde er von dem Bezirkskommando ersucht, gelegentlich einmal bei der Offiziersabteilung, und zwar bei dem vertretenden Oberstleutnant sich zu melden. Dieser Herr empfing ihn, als er der Aufforderung nachkam, in sehr höflicher und konzilianter Weise; er erklärte, er habe von seinem Vorgänger das Gesuch ganz unerledigt bekommen, und er fragte ihn, ob er noch ein Interesse daran hätte, zur Wahl gestellt zu werden. Als er dies bejahte, wurde ihm die weitere