Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1909)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1909-07-01
- Page
- 454 (sequence 2)
- Language
- German
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454 Im deutschen Reich. Berliner Universität. Im Jahre 1874 zum etatsmäßigen Lehrer an der damaligen Tierarzneischule, 1878 zum außerordentlichen Universitätsprofessor und 1884 zum Mitgliede der technischen Deputation im Handelsministerium ernannt, erwarb er überall als Verfasser trefflicher Lehrbücher der Chemie und durch die Klarheit und Anschaulichkeit seines Vortrages wohlverdiente Anerkennung. Neben feiner umfassenden Berufstätigkeit aber wirkte der Dahingeschiedene auch unablässig für das von ihm hochgehaltene Judentum. Eine Reihe von Jahren gehörte er als Stellvertreter dem Vorstände der Berliner jüdischen Gemeinde und, seit ihrer Begründung, der Verwaltung der Gemeinde-Biblchthek' an. Besonders lebhaft betätigte sich der Entschlafene innerhalb des Vorstandes des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und des Ausschusses des Verbandes der deutschen Juden. In der Aula der tierärztlichen Hochschule, in der er so lange als treuer Lehrer gewirkt, war am 24. Mai bei der ihm gewidmeten Trauerseier sein schlichter Sarg inmitten von Blattpflanzen und bedeckt mit Kranz- und Blumenspenden ausgebahrt. Als Vertreter des landwirtschaftlichen Ministeriums war der Ministerialdirektor Küster anwesend, das Handelsministerium wurde durch die Geh. Regierungsräte Dr. Huber und Hartmann vertreten. Zu beiden Seiten des Sarges hatten Chargierte zahlreicher akademischer Vereinigungen mit umflorten Bannern Ausstellung genommen. Nach dem Gesang „Selig sind die Toten" zeichnete Herr Rabbiner Dr. Hochfeld in einer wirkungsvollen Trauerrede ein treues Bild des Dahingeschiedenen. Darauf folgte die von der Konzertfängerin Frau Paula Weinbaum vorgetragene Raffsche Kantate „Sei still", und dann widmete der Rektor der tierärztlichen Hochschule, Herr Geheimrat Prof. Schmalz, dem Entschlafenen einen ehrenden Nachruf. Nachdem dann Herr Pros. Gabriel im Namen der Chemischen Gesellschaft die Verdienste des Verstorbenen um die chemische Wissenschaft gerühmt hatte, gab im Namen des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und zugleich auch des Verbandes der Deutschen Juden Herr Justizrat Dr. Horwitz der Liefen Trauer über den Verlüst des mit so großem Eifer und so treuer Hingebung tätig gewesenen allverehrten Vorstandsmitgliedes ergreifenden Ausdruck. Die erhebende Feier endete mit dem