Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-06-01
- Page
- 363 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. zu spannen und sie dafür blind zu machen, daß das, was ihnen als jüdische Güterschlächterei zum Popanz gemacht wird, mitunter nichts weiter ist als die Parzellierung, durch die der minderbegüterte Landwirt allein zu einer gewissen Selbständigkeit gelangen und sich das Glück verschaffen kann, auf eigenem Grund und Boden als freier Bauer die Früchte seines Fleißes zu ernten. Daß in vereinzelten Fällen einmal ein jiidischer Gläubiger einen leichtsinnigen und zahlungsunlustigen Bauern zur Veräußerung der ihm gehörigen Scholle getrieben haben mag, ist möglich; das aber steht fest, daß in der Regel die jüdischen Gläubiger in ihrem eigenen Interesse größere Nachsicht walten ließen als die in streng bureaukratischer Manier vorgehenden Verwaltungen der Acnffeif en=Kaffert die jetzt bei ihren nicht geringen Verwaltungskosten, um nicht zahlungsunfähig zu werden, in keiner Weise der geldbedürftigen ländlichen Bevölkerung günstigere Bedingungen stellen können als die früheren jüdifchen Geschäftsfreunde. Wo, wie im Königreich Sachsen, jüdische Geschäftsleute fast niemals wesentlich auf die landwirtschaftliche Bevölkerung einwirkten, oder wo die Juden iine in den Ostmarkeu mit dieser vielfach die Fühlung völlig verloren haben, verringert sich der kleine Grundbesitz beständig, und erhalten die großen Agrarier nur zu häufig die Gelegenheit, ihren Besitz billig zu arrondieren. Ob dies im Interesse des Staates und der allgemeinen Wohlfahrt ist, bedarf kaum der Erörterung. Das Zusammenarbeiten der Ansiedtungskommission und der Raiffeisenvereine ist besonders in den Ostmarkm sehr übel vermerkt worden, denn es hat eben nicht nur die jüdischen Geschäftsleute benachteiligt, sondern überhaupt die Sache des deutschen Mittelstandes. Deshalb fand eine Reihe auf diese Tatsache bezüglichen Ausführungen des Abg. Justizrat Wolf- Lissa im preußischen Abgeordnetenhause am 21. April weil über die Reihen der Liberalen hinaus lebhaften Widerhall. Er verwies darauf, daß selbst die Konservativen in der Kommission denselben Standpunkt wie er vertreten hätten, und fuhr dann fort: „D i e staatliche U n t e r st ü tz u n g der Raiffei s e n g e n o s se n s ch a f t en schafft geradezu u n e rt r ä g l i ch e Z u st ä n d e f ü r den M i t t e l st a n d, insbesou-