Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-06-01
- Page
- 362 (sequence 2)
- Language
- German
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362 Im deutschen Reich. rungenen Volksrech Le nur durch Klassen- und Rassenhaß KU erreichen seien. Die politische Entwicklung, oder richtiger die politische „Verwicklung", der letzten Jahre hat hinreichend bewiesen, daß der vorurteilsfreie Politiker den Agrariern damit nicht Unrecht getan hat. Es hat ihm selbstverständlich dabei völlig fern gelegen, die preußischen Landwirte zu verunglimpfen, für die er vielmehr die größte Sympathie empfand, sondern nur jene ostelbischen Großgrundbesitzer, zu kennzeichnen, die im „Bund hex tanbwixie“ eine Jnteressengemeinschaft geschaffen haben, der sie durch ihren persönlichen Einfluß nicht unerhebliche materielle Vorteile verschaffen konnten, für die auch die kleinen Landwirte selbstverständlich nicht unempfänglich waren. Daß aber der Löwenanteil der durch die Handhabung der Klinke der Gesetzgebung erreichten Beute nicht den Bauern, sondern den Großbesitzern zufallen mußte, lag nahe. Noch größer war der Vorteil, der diesen daraus erwuchs, daß sie für die den kleinen Landwirten verschafften Brosamen sich einen mächtigen Anhang erkauften, der durch seine Massenhaftigkeit und seinen blinden Geborsam den „Bund der Landwirte" zu einem politischen Faktor gemacht hat, mit dem die Regierung rechnen zu müssen glaubte und lange genug gerechnet hat, ohne zu merken, daß diese Interessengemeinschaft durch ihre maßlosen Ansprüche ihr mit der Zeit weit unbequemer werden mußte als die Sozialdemokratie. Die kleinen Landwirte haben übersehen, daß nicht nur die unter dem Einfluß der Großgrundbesitzer gesteigerten Einnahmen aus den landwirtschaftlichen Produkten durch die wesentlich erhöhten Ausgaben für alle industriellen Erzeugnisse verschlungen werden, sondern daß auch die zielbewußte Politik der Agrarier sowie ihre Neigung zur Latifundienwirtschaft die Bauern wieder zu Verhältnissen zurückführen müssen, wie sie zur Zeit der Frondienste bestanden. Das merkten sie nicht, weil die Leiter des Bundes der Landwirte die bäuerlichen Elemente durch das Vorgeben, sie von dem Einfluß jüdischer Geldgeber und Güterschlächter zu befreien, geblendet hatten. Tatsächlich hat der Antisemitismus wesentlich dazu beigetragen, die deutschen Bauern vor den Karren der Agrarier