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Im deutschen Reich · 1909-06-01 · Heft 6 (Juni 1909) · p. 346

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 6 (Juni 1909)
Article
Antisemitische Jugendlektüre
Date
1909-06-01
Page
346 (sequence 1)
Language
German
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346 Im deutschen Reich. Antisemitische JugendleLtüre. Bon Or. Felix G o l d m a n n - O p P e l n. Bon Zeit zu Zeit erheben jüdische Eltern Klage darüber, daß sie entweder beim Ankauf von Unterhaltungsschriften für ihre schulpflichtigen Kinder nicht genügend davor geschützt sind, Bücher antisemitischer Färbung, ja geradezu judenfeindlicher Tendenz zu erstehen, oder daß die jüdische Jugend aus den Bibliotheken der Unterrichtsanstalten Bücher dieser Art mit nach Hause bringt. Daß zu solchen Klagen Anlaß vorhanden ist und daß sie sich so häufig wiederholen, legt davon Zeugnis ab, wie die Zustände auf diesem Gebiete außerordentlich beklagenswert und für ein Kulturvolk geradezu beschämend sind. Denn es gibt tatsächlich eine ganze „Jugendliteratur", die geeignet ist, ein jüdisches Kind 'aus das tiefste zu verletzen, sobald irgeitb eine der zu dieser Klasse gehörigen Schriften in seine Hände gelangt. Nicht als ob dabei eine übertriebene Empfindlichkeit, die sich schon .verletzt fühlt, sobald -das Wort nirgend bekannt und gewürdigt. Insbesondere läuft bei deren Beurteilung vielfach die Meinung unter, als handle es sich um eine politische Abschließung der jüdischen akademischen Jugend, die nicht zu billigen wäre. Äuf der anderen Seite glaubt man in den jüdischen Studentenvereinigungen eine konfessionelle Basis als vorhanden annehmen und ebenso tadeln zu müssen, wie man die Ausschließlichkeit z. B. bei den katholischen Studentenverbindungen als unser akademisches Leben schädigend zurückweist. Dabei hat sich die jüdische Jugend weder abgeschlossen noch entspringt deren Zusammengehen in jüdischen Verbindungen irgendwelchen konfessionellen Trennungsgelüsten. Die jüdische Jugend ist abgeschlossen worden, man hat ihr den Zugang in die altangesehenen Studentenvereinigungen gesperrt; auf der anderen Seite ist nicht das religiöse Moment: treibend für die Begründung der Studentenvereinigungen gewesen, sondern der Wunsch, in gemeinsamer Arbeit und auf dem Boden gemeinsamer Ideale das Judentum zu bewähren. Dieselben Ideen, welche zur Zeit der Begründung der ersten Verbindung des heutigen! K. C. dort maßgebend waren, haben auch zur Gründung des Central- Vereins geführt, so daß sich die Prinzipien dieser Organisationen vollauf decken. Wenn auch die übrigen Studentenvereinigungen auf teilweise andersgearteten Prinzipien beruhen, so haben doch alle die Stärkung des jüdischen Bewußtseins und die Erziehung zur Mannhaftigkeit im Auge. Die allen gemeinsamen Ideale für die Sache des Judentums wirksam zu gestalten hat der Centräl-Verein unternommen, indem unter seiner Führung in Berlin eine Vereinigung jüdischer.Korporationen sich gebildet hat, die in gemeinsamen Fragen ein Zusammengehen der einzelnen Verbände und somit ein starkes Auftreten nach außen hin verbürgt. Die Redaktion.

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