Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1909)
- Article
- Der Antisemitismus an den deutschen Hochschulen
- Date
- 1909-06-01
- Page
- 341 (sequence 2)
- Language
- German
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Der Antisemitismus an den deutschen Hochschulen. 341 tischen Treiben die Pforten der deutschen Hochschulen öffnete. Zwar beteuerte er selbst in seinen bekannten Artikeln in den Preußischen Jahrbüchern, nur der Versöhnung dienen zu wollen; jedoch hatte jedenfalls die Einseitigkeit und der demagogische Ton seines Auftretens und sein zweideutiges Verhalten der judenfeindlichen Hetze gegenüber die Wirkung, den Antisemitismus salonfähig zu machen, ihm — wie Mommsen sagte — den Kappzaum der Scham zu nehmen. Zwar hatten sich schon früher einmal, kurz naä) den Freiheitskriegen, antisemitische Strömungen in der deutschen Studentenschaft geltend gemacht. Sie waren jedoch bereits seit einem halben Jahrhundert überwunden und vergessen. Der Aufnahme von Juden in die Verbindungen wurden kerne Schwierigkeiten bereitet, und manches innige Freundschasisband umschlang Juden und Christen. Jetzt wurde das friedliche Einvernehmen plötzlich gestört. Die Früchte des Antisemitismus reiften schnell. An der Berliner Bewegung nahm die Studentenschaft einen hervorragenden Anteil. Bereitete doch die akademische Jugend selbst einem Ahlwardt als dem „Rektor aller Deutschen" begeisterte Kundgebungen. Insbesondere aber arbeiteten die damals entstehenden „Vereine deutscher Studenten" auf die Ausschließung der Juden aus der Gemeinschaft des studentischen Lebens hin. Es kam zu jenen wilden und rohen Ausbrüchen des Fanatismus, welche den Ausschreitungen des tschechischen Pöbels in Prag gegen die deutschen Studenten in nichts nachstanden. Wenn diese auch allmählich zum Schweigen kamen, in der Tiefe gährte die Bewegung weiter, der von außen stets neue Nahrung zugeführt wurde. Im Verbindungsleben äußerte sich das am deutlichsten. Man suchte die jüdischen Mitglieder möglichst abzuschütteln, mehr und mehr vermied man ihre Aufnahme, und heute ist der Ausschluß ein vollkommener, mag man ihn durch die Satzung offen aussprechen oder durch langjährige Uebung stillschweigend sanktionieren. Der Umfang dieses Boykotts jüdischer Studenten wird meist unterschätzt; nicht nur die bekannten Verbände, die Korps, Burschenschaften, Turnerschaften und Landsmannschaften, auch die übrigen Korporationen nehmen keine Juden auf; ja, so lächerlich es klingt, selbst Vereine zur Pflege von Sport und