Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1909)
- Article
- Mülhausen
- Date
- 1909-06-01
- Page
- 340 (sequence 4)
- Language
- German
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340 Im deutschen Reich. iloch niemals als ein Vorzug angesehen worden, soll Gegenstand der Beschwerde des israelitischen Konsistoriums gewesen sein. Es steht das noch nicht fest. ^Jedenfalls aber verdiente die Aeußerung eine Beschwerde. Diese wird darum eventuell voll uns zu ergreifen sein. Ein Kriegsgerichtsrat — und ein solcher war der Anklagevertreter — sollte insoweit die Rechtswissenschaft beherrschen, um zu Nüssen: Die materielle Rechtsgleichheit der Konfessionen ist ein Staatsgrundgesetz; ein Vorgesetzter, der sich als Hüter des SLaatsgedankens mit einem Grundgesetz in Widerspruch setzt, ist doppelt schwer zu beurteilen. Wenn der Vertreter der Staatsautoritat unter Verleugnung moderner Verfassungsgrundsätze Angeklagte zu entschuldigen versucht, so ist das allerdings traurig. Vielleicht wollte der Herr Kriegsgerichtsrat in seiner Anklagerede sagen: Wenn der Angeklagte auf dem Standpunkt stand, daß die Zugehörigkeit zum Judentum noch niemals als ein Vorzug galt, so ist diese Auffassung zwar zu bedauern, aber nicht geeignet, die Straftat in milderem Lichte erscheinen gu lassen. Jedenfalls sollte er so gesagt haben. Für den Central-Verein sind die Akten Mülhauseil lloch nicht geschlossen. Mögen sie es auch für die deutschen Juden nicht sein. Dann hat auch dies Verhängnis seine Gnade. Ludwig H o l l ä u d e r. Aer Antisemitismus an den deutschen Kochschuken. Bon Referendar Karl Lö w enstein, Aachen. Als sich gegen Ende der siebziger Jahre der Antisemitisncus immer bedrohlicher ausbreitete, da sprach Kaiser Friedrich im Anschluß an die denkwürdigen Worte, welche die antisemitische Bewegung als eine „Schmach unserer Zeit" verurteilten, die Hoffnung aus, daß das böse Samenkorn, das in die Schulen und Hörsäle, die-Pflanzstätten des Edlen und Guten, hineingetragen worden sei, nicht zur Reife gelangen möge. Leider ist die Saat nur zu gut aufgegangen. Es ist bedauerlich, daß ein so glühender Patriot und bedeutender Historiker, wie Treitschke, dem rüden antisemi-