Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1909)
- Article
- Nervosität und Antisemitismus
- Date
- 1909-05-01
- Page
- 278 (sequence 6)
- Language
- German
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278 Im deutschen Reich. Ganzbefoitbcr^ leidet darunter aber der Nervöse, der sich sehr leicht besonders beachtet fühlt und' alte derartigen Reize, wie schon erwähnt, doppelt schwer empfindet. Auch wenn gar nichts passiert, so genügen schon die häufig sich findenden Inschriften der bekannten Narrenhände, mit einem Nervösen aufs neue immer wieder Ung-emach zu bereiten. Er kommt sich in seinem durch die Krankheit bedingten Jnsuffizienzgefühl noch elender vor. Das sind aber noch Kleinigkeiten. Es ist mir oft passiert, wenn ich nervös Erschöpfte zur Erholung auf Reisen schickte, daß sie, nachdem sie mir zuversichtlich geschrieben hatten, sie hätten sich gut erholt, plötzlich erschienen und mir berichteten, jetzt sei alles aus, es sei viel schlechter als zuvor. Der Grund dieser Verschlechterung bestand dann gewöhnlich darin, daß sie nach langer Bahnfahrt oder ermüdender Wanderung, sich erfreut, endlich Ruhe zu haben, in einem Hotel niedergelassen hatten, und nun entweder schon kurz nach ihrer Ankunft oder am nächsten Tage, nachdem ihre Art bekannt geworden war, den ominösen weißen Zettel erhielten, der sie zur sofortigen Abreise auffordert. Ein solcher Fall war es auch, der mich vor Jahren auf diese ganze Frage aufmerksam inachte und mich veranlagte, genauer nach diesen Verhältnissen zn forschen. Ich kann nur sagen, daß ich nicht selten solche Kranke gesehen habe, die durch ein derartiges Vorgehen auf Neonate zurückgekommen sind. Die Wirkung ist intt der eines starken psychischen Shocks durchaus identisch. Man könnte hier einwerfen, weshalb erkundigen sich die Patienten nicht genauer? Das ist oft aber gar nicht möglich, und nicht immer ist an dem Hotel oder dem Restaurant gleich äußert dies Plakat der Unduldsamkeit angebracht. Ich bin auch überzeugt, daß nicht wenige oerjenigen, welche so Vorgehen, damit anfhören würden, wenn sie wüßten, was sie für Unheil damit anrichten können. Wir haben hier ein exogenes Moment unter den Ursachen der Nervosität, das wir vermeiden können. Wenn djese Zeilen dazu beitragen sollten, daß wenigstens in einzelnen Fällen Remedur geschaffen wird, dann sollte es mich freuen. Auf klärung, ruhige Besprechung solcher Verhältnisse ist noch immer von. Einfluß auf die Einsichtigen und Urteilsfähigen