Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die ordentliche Mitgliederversammlung
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 225 (sequence 3)
- Language
- German
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Ordentliche Mitglieder-Versammlung (Jahresbericht?. -25 Weener ist der Antisemit verdrängt worden, ebenso in Siege n—B iedenkops. Zunächst haben wir in beiden Wahlkreisen unsere lauen Glaubensgenossen mobil gemacht. Sie glauben gar nicht, wie sehr es notwendig ist, daß man im Lande draußen bei politischen Wahlen die Juden an ihre Pflicht erinnert, nicht nur daran, daß sie gegen den Antisemiten stimmen, sondern auch, daß man sie abhält, für den Antisemiten zu stimmen, was leider vielfach vorgekommen ist. (Hört, hört!) Es liegen ja leider auf dem Lande die Verhältnisse so, daß der einzelne vielfach befürchten muß, wegen seiner l^rnmabgabe boykottiert zu werden und wirtschaftliche Nachteile zu erleiden. Da haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, vor allem durch persönliche Arbeit, indem wir unsere Vertrauensleute in den betreffenden Bezirken mobil gemacht haben, das Rückgrat unserer Glaubensgenossen zu stärken und sie darauf hinzuweisen, daß, wenn der Wille da ist, dem Antisemiten entgegenzutreten, es auch Wege genug geben wird. Ich bin im Wahlkreise Siegen— Biedenkopf gewesen und habe dort mit den Leuten gesprochen, die einen Standpunkt einnahmen, wie man ihn von Berlin aus gar nicht verstehen kann. Sie haben gesagt: Es nützt alles nichts, es kommt doch der Antisemit durch; was wir auch tun, ist vollkommen vergeblich. Da haben wir ihnen gesagt: Es kommt nur darauf an, daß ihr in den jüdischen Kreisen Propaganda macht, und wenn es auch bei der Wahl nichts nützt, so habt ihr doch eure Pflicht getan und habt die Lässigen und Lauen anfgerüttelt, damit sie für das Judentum und ihre staatsbürgerlichen Rechte eintreten. So haben wir mit dazu beigetragen, daß der Antisemit aus diesem Wahlkreise herausgekommen ist (Bravo!) und daß der Wahlkreis durch einen Kandidaten vertreten ist, der in bezug auf die Judensrage vollständig einwandsfrei ist. Ebenso ist es im Wahlkreise Leer—Emden—Weener gegangen. Von da kann ich Ihnen etwas erzählen, was gewiß beachtenswert ist. Man sagt hier und da: Was nützt denn die Zeitschrift des Central- Vereins, die liest doch kein Gegner. Als nun der Central-Verein in seiner Zeitschrift die Juden aufgefordert hatte, unter allen Umständen zusammenzustehen und für die gemeinsame, gute Sache zu kämpfen und zu wirken, da sind die Antisemiten aufmerksam darauf geworden und haben in verschiedenen Amts-