Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 210 (sequence 82)
- Language
- German
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210 Im deutschen Reich. mich von hinten mit dem Messer. (Andauernde Unruhe. Zuruf: Ist es gleich Wahnsinn, hat es doch Methode!) Der Antisemit kann anständig sein, der getaufte Jude nie. (Widerspruch. Zuruf: War Siiusou unanständig?) Und noch einen anderen Vorteil hat die Diskussion. Sie hat gezeigt, daß alle, auch die anderer Ansicht sind, es mit dem Vorstand halten. Wir in der Provinz Haben eine andere Distanz zu den Täuflingen, namentlich in der Rheinprovinz; bei uns verkehrt man in der sogenannten besseren Gesellschaft nicht mit einem Täufling. (Rufe: Na! Na!) Sie kennen doch die Verhältnisse nicht. In Berlin hat man eine andere Distanz, und das kommt dem Vorstand zugute. Ich bitte Sie zum Schluß, keine Resolution zu fassen, um nicht die Herrschaften, die anderer Ansicht sind, wie die Kölner Herren, vor den Kopf zu stoßen. (Bravo!) Professor Dr. Falkenhei m - Königsberg: Es kann gar kein Zweifel darüber sein, daß wir alle auf dem Standpunkt stehen, daß derjenige, der sich taufen läßt, seinen individuellen Wert vermindert. Wenn Sie zwei Kandidaten zur Wahl haben, so werden Sie sich immer fragen, welches der wertvollere ist, und ceteris paribus wird der Getaufte demgemäß immer der minderwertige sein. Aber auch nur dann wird dies in Frage kommen, wenn der Nichtgetaufte nicht gerade sehr viel schlechter ist. Dann werden wir doch in die Lage kommen, uns eventuell mit einem derartigen Täufling befreunden zu müssen. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß die Verhältnisse im Westen doch versehentlich anders liegen als im Osten. Wenn von vornherein alle diejenigen Leute, die sich haben taufen lassen, von uns verfemt werden sollen, so muß ich gestehen, daß wir bei uns im Osten eine ganze Reihe von Männern haben, die durchaus, trotzdem sie getauft sind, als recht wertvolle Persönlichkeiten angesehen werden müssen. (Sehr richtig!) Wir wollen doch absolut nicht Splitterrichter sein über diejenigen, die sich haben taufen lassen. Es ist vorher viel über die Jugendfürsorge gesprochen worden. Vergessen Sie nicht, daß bei einer ganzen Zahl derer, die sich haben taufen lassen, nicht die Täuflinge die Schuldigen sind, sondern die, die sie erzogen haben. (Sehr richtig!) Wenn ich heute jemand einen Vorwurf daraus mache, daß er sich taufen läßt, so setze ich von ihm voraus, daß