Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 168 (sequence 40)
- Language
- German
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168 Jrn deutschen Reich. treten sollen, zunächst dahingestellt sein lassen und haben die Mitarbeit der Frauen dankbar angenommen. Ich glaube. Laß dies zunächst auch die Parole sein muß für die Tätigkeit der Frauen überall im Reiche. Wir sind eine Bereinigung, die in erster Linie, ja ich möchte sagen, ausschließlich eine Arbeitsvereinigung ist. Wir legen nicht Wert darauf, Ehren und Würden zu verteilen, sondern sind eine Versammlung redlicher Arbeiter, und nach dieser Richtung hin kann ich gar nicht genug das Vorgehen der Damen in Berlin anerkennen und als Muster überall im Reiche hinstellen. (Bravo!) Es ist gelegentlich der Erörterungen über das neue Vereinsgesetz den Frauen vielfach zum Vorwurf gemacht worden, sie seien politisch noch nicht reif für eine weitgehende politische Bereinstätigkeit. Nun, die Erfahrungen, die wir gemacht haben, haben uns längst darüber belehrt, daß das ein arges Vorurteil war. Wir haben gesehen, daß wir sehr gut mit den Frauen Zusammenarbeiten können. Im übrigen bietet gerade die Tätigkeit in unserem Vereinsleben einen glücklichen Uebergang für alle diejenigen, die glauben, daß unsere Frauen zum politischen Denken erst erzogen werden müssen. Bei uns ist die politische Tätigkeit der Frau ganz, ich möchte sagen, identisch mit ihrer Tätigkeit im Familienleben. Sie leisten unseren staatsbürgerlichen Aufgaben den Dienst, daß sie uns diejenigen künftigen deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens erziehen, die geeignet sind, unsere Fahne hochzuhalten, wenn wir sie nicht mehr halten können. Denn die größte Sorge, die uns erfüllt, ist die Zukunft. Alle, die wir hier sind, haben die Jahre seit 1880 durchgemacht, wir haben die Lehre, körperlich möchte ich sagen, empfunden, die wir hier predigen. Unsere Befürchtung ist, daß die neue Generation, die nicht am eigenen Leibe das erlebt hat, was wir erlebt haben, nicht mehr den nötigen Impuls haben wird, um die Männer zu stellen, die wir für die Zukunft brauchen. Unsere Ausgaben nach dieser Richtung hin können wir ohne unsere Frauen nicht erfüllen. Die Mutter kann heutzutage ihre Pflichten in ihrer Familie nicht erfüllen, wenn sie sich -.licht vollkommen als Staatsbürgerin fühlt, wenn sie sich nicht bewußt bleibt, daß sie nicht bloß Männer zu erziehen hat, die redlich durch das Leben wandern und in ihrem Berufe ihre Pflicht tun, sondern wenn sie sich bewußt ist, daß