Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 131 (sequence 3)
- Language
- German
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131 Delegierten-Versammlung (Fall Mugdan). lich war der Fall Mugdan ein kleiner lokaler Vorgang im Potsdamertor-SLadtbezirk, der dann lawinenartig angewachsen ist, so daß er fast den Boden zu erschüttern drohte, auf dem der Central-Verein aufgebaut und groß geworden ist. Wir haben aus der Provinz darüber Kahlreiche Stimmen gehört, wie auch uns die Frage in Berlin monatelang in einer Weise beschäftigt hat, die unsere Arbeitskraft beinahe lähmte. Ich werde Ihnen ein möglichst sachliches Bild des ganzen Falles Vorträgen: Als die Stadtverordnetenwahl in Frage kam, wurden zwei liberale Kandidaten aufgestellt: seitens der freisinnigen Volkspartei der getaufte Jude Sanitätsrat Or. Mugdan, und der Gegenkandidat seitens der vornehmlich von Barth vertretenen Richtung. Bei beiden liberalen Kandidaten konnte von antisemitischen Neigungen oder Anschauungen zunächst keine Rede sein. Für den Vorstand war seine Haltung gegeben. Sie kennen unsere Grundsätze bei politischen Wahlen, sie sind klar, einfach, logisch. Wir sagen, wir nehmen keinerlei politische Parteirichtung ein, wir sind frei von aller Fraktionstaktik, wir stellen uns lediglich auf den Standpunkt, bei politischen Wahlen den Antisemitismus zu bekämpfen. (Sehr richtig!) Von diesem Standpunkt dürfen wir uns in keiner Weise aböringen lassen, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, einen Keil in unsere eigenen Reihen hineinzutreiben. Nach diesem Grundsätze haben wir gehandelt. Als von beiden Parteien an uns herangetreten wurde mit der Bitte, Stellung zu nehmen und ihren Kandidaten zu fördern, haben wir jede Stellungnahme entschieden abgelehnt, weil wir als Central-Verein mit dem Vorgang nichts zu schaffen haben. (Sehr richtig!) Alle Vorwürfe, die aus diesem Anlaß gegen den Vorstand erhoben worden sind, sind von uns ruhigen Gewissens zurückgewiesen worden. Es hat dann der Angriff sich speziell gegen ein geschätztes Vorstandsmitglied, Herrn Justizrat Lövinson, gerichtet. Man hat ihm einen Vorwurf daraus gemach-, daß er für einen getauften Juden eingetreten ist, und man hat unsachlicherweise behauptet, daß er für Dr. Mugdan Propaganda gemacht habe. Tatsache ist, daß sein Name unter mehreren Wahlflugblättern zugunsten Mugdans gestanden hat. Herr Justizrat Lövinson hat uns in einer der zahlreichen Vorstandssitzungen, die wir leider in dieser Angelegenheit haben mußten,