Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1909)
- Article
- Der Schmelztiegel
- Date
- 1909-02-01
- Page
- 122 (sequence 2)
- Language
- German
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122 Im deutschen Reich. Amerika viele große M ii u n c i' erzeugt, schon während des Bürgerkriegen. Bon den Theorien Go bi ne aus imb Otto Ammons will in Amerika niemand etwas wissen, und so kommt man zu dem Schlüsse, daß die Amerikaner ein Elitevolk, gebildet aus der Creme aller Nationen, darstellten. Jede von ihnen hatte ihr Bestes hergegeben, um den Jankee zu formen, der Deutschlands Arbeitsamkeit und Frankreichs Esprit und Ritterlichkeit und Englands Intelligenz vereine — denn die Engländer- Haben sich hier in den ansechtbaren Ruf gebracht, das gebildetste und klügste Volk Europas zu sein. Das ist natürlich Uebertreibung. Die Eigenschaft, welche dem Europäer, der länger int Lande, weilt, bei den Amerikanern besonders auffallt, ist ihre Tatkraft. Fast jeder Mensch schmiedet hier einen Plan, um mehr zu erreichen und sich „durchzusetzen", und wie oft geht der eine oder andere, dem man es „nicht ansieht", auf große Dinge aus! In Deutschland ist der alte Krupp in Essen vom Arbeiter und Handwerker zum Großfabrikanten emporgestiegen, aber wie Vietze Tausende solcher Krupps gibt es in Amerika! Diese Leistungsfähigkeit der Amerikaner ist zweifellos darauf zurückzuführen, daß sie ein Volk von Einwanderern sind. Die Leute, welche seit 3—400 Jahren von Europa nach Amerika abwanderten, werden nicht immer zu den moralisch besten gehört haben, allein in ihrer großen Mehrzahl sind es die kühnsten,, wagemutigsten und rücksichtslosesten gewesen. Wenn nun Elemente dieser gleichen Art sich aus verschiedenen Völkern zusammenschließen und vermischen, dann muß allerdings eine Rasse v o l l Lebe n s e n e r g i e und Bor w ä r t s st r e b e n entstehen." Daß der New Iorker Korrespondent der „Kreuz-Zeitung" nicht erwähnt, was das große Kontingent der jüdischen Einwanderer dazu beigetragen hat, der amerikanischen Bevölkerung den Charakter zu verleihen, den ihr Roosevelt nachrühmt, ist natürlich, da er mit dem konservativen Leserkreis der „Kreuz-Zeitung" rechnen mußte. Roosevelt selbst hat aber dies stets anerkannt, und sein Freund und Schützling Taft ist derselben Meinung. Es bleibt abzuwarten, ob die in einflußreichen deutschen Kreisen vielfach bestehende Bewunderung für amerikanisches Wesen und amZpikanische Erfolge nicht schließlich auch in Deutschland die Einsicht fördert, daß der