Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1909)
- Article
- Berlin
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 42 (sequence 11)
- Language
- German
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42 Im deutschen Reich. die Rumänen sind es über alle!) Man wütet in Bukarest gegen die Ungarn deshalb, weil sie die dortige rumänische Bevölkerung bedrücken und zurücksetzen, bedenkt aber nicht, daß man hier geborenen Rumänen, nur weil sie jüdischer Konfession sind, gar nicht einmal das Bürgerrecht mit einem Zwanzigstel Stimme einräumt oder hier geborenen Christen, deren Eltern Ausländer waren, aber in Rumänien Soldaten waren, ebenso das Bürgerrecht vorenthält. In Rumänien werden überhaupt nur die Land- und Hausbesitzer Bürger oder die Leute, die eine hohe Steuer zahlen, wenn sie Vollrumänen sind. Würde aber das allgemeine Wahlrecht kommen, dann würden auch die jungen Rumänen mitwählen dürfen, und man befürchtet, daß diese dann im Sinne westeuropäischer Kultur liberal denken und mit dem elenden Beschränkungsgesetz aufräumen würden. Sozialdemokraten gibt es hier gar nicht; vermutet man derartiges von einem Einwohner, so wird er ausgewiesen, oder man schikaniert ihn so lange, bis er davon abläßt. Das Wichtigste ist aber die Bildung einer ganz neuen Partei unter Führung des sehr vernünftigen Take Jonescu und des bisherigen Gesandten in Rom, Fleva. Letzterer wird hier erwartet und mit großem Tamtam empfangen Norden. Dieser Partei schlossen sich bis jetzt alle Staatsbürger gewordenen jüdischen Rumänen an; denn man hofft, daß, wenn diese neue „konservativ-demokratische" Partei — dies ihr Name — zu Einfluß gelangt, auch betreffs der eingeborenen Juden alles anders wird. Fleva stammt aus Rom, wo er mit dem jüdischen Bürgermeister Ernesto Nathan sehr befreundet gewesen sein soll. Die Zeitung „Adeverul" tritt eifrig für die Gleichberechtigung der Juden ein, alle anderen Zeitungen bezichtigen sie aber deshalb der Bestechung durch die .Alliance israelüe''! Trotzdem ist sie die größte, beste und meistgelesenste Zeitung im Lande. — Der berüchtigte Antisemit „Professor" Jorga hat neulich vor hunderten Studenten von einem anderen Universitätsprofessor Ohrfeigen bekommen und ist dadurch noch lächerlicher als vorher geworden. 0 Nöxeirick, 6. Dezember. Trotz heftiger Agitation der Antisemiten ist hier der Fabrikbesitzer Moritz Jacoby