Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1909)
- Article
- Prof. Dr. Strack über den Antisemitismus
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 21 (sequence 7)
- Language
- German
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können. Die Frage der Kriminalstatistik kann z. B. mit Hilfe der jedem Nachfragenden zugängigen Ziffern ebenso gut von einem Juden wie von einem Christen erörtert werden. Wenn aber Juden über die Blutbeschuldigung oder den Talmud schreiben, kann selbst der redlichste Jude den Verdacht auf sich laden, Tatsachen zu verschweigen oder zugunsten seiner Stammesgenossen und seiner Religion schönzusärben. Deshalb haben Franz Delitzsch, ich und andere es als ihre Schuldigkeit betrachtest nachzuweisen, daß manche von den Antisemiten gegen die jüdische Religion oder die Juden im allgemeinen gerichtete Angriffe tatsächlich Verleumdungen sind. (Franz Delitzsch, „Rohlings Talmudjude", „Was Rohling beschworen hat", u. a. nt.) Zweitens ist es unsere Pflicht, den Juden gegenüber in Wort und Tat Nächstenliebe zu üben. Wir dürfen unsere Liebe nicht aus unsere Glaubensgenossen beschränken (vgl. Gal. 6. 10), sondern müssen uns immer an die in dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter enthaltenen Lehre erinnern. lEv. Lue. 10.» Drittens müssen wir beweiset!, daß das Christentum nrit Recht die Bedeutung einer Weltreligion beansprucht, und deshalb zeigen, daß es Einfluß aus die Menschenliebe geübt hat und noch übt. Es werden große Klagen laut über den zunehmenden Einfluß der Juden auf das öffentliche Leben, nicht nur auf das Geschäftsleben, sondern auch auf das Zeitungswesen, die Städteverwaltungen usw. Wir können hier nicht untersuchen, uw und wie diese Klagen begründet sind. Eines ist aber sicher: derartige Erscheinungen lassen sich weder durch Gewalt noch durch eine einseitige Gesetzgebung beseitigen, durch die man nur schlimmere Uebelstände herbeisühren würde. Aber jeder Nichtjude, der die Meinung hegt, daß die Juden in irgendeinem Ort ans ihre nichtjüdische Umgebung einen zu großen Einfluß ausüben, sollte nrit doppelter Treue seine Pflichten als Staatsbürger und Bürger seiner Stadt erfüllen und andere Nichtjuden zu gleichem Pflichteifer anspornen. Hierbei gilt also der Grundsatz: Wenn nur mit unserer Umgebung unzufrieden sind, müssen wir erst fragen, was unser Fehler ist. Lasset uns selbst besser werden, dann um'b auch der Stand aller Angelegenheiten besser mcrivn!"