Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-12-01
- Page
- 706 (sequence 17)
- Language
- German
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7 06 Im deutschen föeidj. mit beit Antisemiten bie Staatsverwaltnrtg zu leiten, hat schon mancher Staatsmann empfunden; so bürste auch der russische Ministerpräsident Stolypin in dieser Beziehung bereits sehr üble Ersahrttngen gemacht, wohl auch noch schlimmere zu gewärtigen haben. Die Generalgouveimettre sehalten und nmlten schon lange, ohne sich an seine Anordnungen zu kehren; sie lassen sein Rundschreiben Venn Mai 1V)07, bei Ausweisungen von Juden aus Gebieten, in denen sie nicht roohnberechtigt sind, in gewissen Fällen Nachsicht walten zu lassen, nahezu unbeachtet, und in einer Eingabe an den russischen Senat machte Gras Konownizyn den Erlaß sogar zum Gegenstand einer Anklage. Dieser Antisemit behauptete, infolge des Erlasses durch ,,jüdische "Ausbeutung" materiell tntb wegen der Gefahr eines Ritualmordes persönlich geschädigt worden zu sein. Die Verpflichtung der Gouverneure, vor 'Ausweisungen alle Umstände zu prüfen, biete dagegen leine Gewähr; er fordere deshalb die Aufhebung der allgemeinen ministeriellen Bersügung, und gerichtliche Verfolgung des Premierministers wegen ungesetzlicher Anordnungen. Der Senat bezeichnete zwar den Klager als unbefugt 511 solchen Anträgen, ging aber auf die Sache selbst ein und erklärte schließlich seinerseits die Bersügung des Premierministers als ungesetzlich. Das Verhalten des regierenden Senats, der sonst ein willenloses Werkzeug in den Händen der Regierung ist, gilt in Rußland als Sympton für beu Zusammenbruch der Autorität Srolppins in beit oberen Reg iernngsr reisen. Der Antisemitismus in Rußland arbeitet eben zielbewusst aus die Anarchie los, die. nach dem Rücktritt Stolhpins eine vollständige fein wird. Ob dann noch die Weltmächte Rußland als einen Faktor betrachten werden, mit dein, mau rechnen muß, ist mehr als fraglich! Noch aber sind die Großmächte weit davon entfernt, sich von 'dem Banne des russischen Einflusses zu befreien. Wenn die geplante Orient-Konferenz noch zustande fonnnen sollte, wird sich kaum ein Staatsmann finden, der den Mut hätte, wie es Bismarck einst dein Fürsten Gortschakosf gegenüber getan, den russischen Diplomaten zu zeigen, daß die Deutschen nur Gott, aber sonst nichts aus der Welt fürchten. Die Erfüllung des von jüdischer Seite gehegten Wunsches, daß die Nichteinhaltung des Paragraph 4 des Berliner Vertrages durch