Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-12-01
- Page
- 701 (sequence 12)
- Language
- German
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Umschau. 70 i abzuhelfen, die jüdischen Aerzte nicht mehr zu übergehen, den Antisemiten das Parteigeschäst verderben könnte, hat Generalleutnant Litzmann, ein militärischer Mitarbeiter der „Tag!. Rundschau", diesem Blatte Aussätze geliefert, in denen der beklagenswerte Mangel zwar zugegeben, aber ans andere Ursachen als aus den Ausschluß jüdischer Aspiranten recht künstlich zurückgeführt wurde. Die Wiedergabe der erwähnten Aeußerungen der „Medizinischen Wochenschrift" in der „Breslauer Morgenzeitung" har aber auch ein Mitglied der Breslauer Stadtverordnetenversammlung, Pastor a. D. Dr. N itschke, nicht ruhen lassen, dem die „Schlesische Morgenzeitung" ihre Spalten zu dem folgenden antisemitischen Herzenserguß öffnete: „Der Breslauer Morgenzeitung" scheint es unbekannt zu sein, daß es bis nach dem Jahre 1870 in der preußischen Armee jüdische Militärärzte gegeben hat. Es kamen aber so viele Durchstechereien beim Ausheben der Rekruten vor, daß man sich genötigt sah, von der Mitwirkung jüdischer Militärärzte dabei abzusehen. Und jüdische Offiziere in der Armee? Nein. Unsere Armee ist uns zu teuer, um dem wenig zur Nachahmung reizenden Beispiel anderer Armeen zu folgen und das jüdische Element in größerem Maßstabe in unser Offizierkorps hinein zu wünschen. Vereinzelte Ausnahmen mögen gelten. Uebrigens sagt der ermahnte kaiserliche Erlaß: „Keine Rücksicht aus die Konfession." Konsession ist etwas anderes als Religion, und gar als Stammeseigenart." — Daraus entgegnete die „Breslauer Morgenztg.": „E s d ü r f t e H e r r n P a ft o r a. D. Dr. N i t s ch k e s ch w e r fallen, den Nachweis zu e r b r i n g e n , daß da von ihm g e n a n n t e D e l i k t d e n jüdischen M ilitärä r z t e n a n ch n u r mit einen: Scheine des Rechts zur Last gelegt werden könnte, wie es ihm nicht minder schwer fallen dürste, zu beweisen, daß der Ausschluß der jüdischen Aerzte von der aktiven Militärkarriere mit jenem vermeintlichen Delikte in irgendwelcher ursächlichen Verbindung stehe. Für diesen Ausschluß ist lediglich der stille, aber sehr hartnäckige Antisemitismus verantwortlich zu machen, der — obschon es von „maßgebender" Stelle, so oft man will, in Abrede gestellt wird, — in fast allen preußischen Amtsgebieten grundsätzlich gepflegt wird." Das freisinnige Blatt fügt hinzu, daß sie zunächst „die neueste Leistung dieses Herrn auf den: