Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 11 (November 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-11-01
- Page
- 623 (sequence 2)
- Language
- German
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UrnsHmi •623 grundlos macht er die Juden für „den Niedergang der Kultur" verantwortlich. Aus alledem erhellt, daß der Verfasser der Schrift „Rückwärts, Betrachtungen zur Gegenwart" vollständig zu den Anhängern des „Sozialismus der dummen Kerle" gehört, die ganz gewiß bisher nirgends kultursördernd gewirkt, vielmehr die Sitten ganzer Volksschichten verwilde^ und gegen die-bestehende staatliche und gesellschaftliche Ordnung beständig ausgereizt haben. Was dagegen die deutschen Juden aus den verschiedensten Kulturgebieten geleistet haben und noch leisten, ist ihm, der offenbar nur mit der antisemitischen Literatur niedrigster Gattung vertraut ist, ebenso unbekannt wie die seiner Darstellung blutwenig entsprechende politische Gesinnung und Haltung der weitaus größten Mehrheit seiner jüdischen Mitbürger. Es würde nicht lohnen, mit einem verkappten Antisemiten wegen seiner seltsamen Bereicherung des judenfeindlichen Schristenmaterials zu rechten, wenn solches nicht doch bisher schon den Erfolg erzielt hätte, bessere Gesellschaftsklassen zu verhindern, im Sinne wahren Kultursortschritts sich von tausendjährigen Vorurteilen völlig sreizumachen, wenn nicht selbst aus manche liberale Politiker das Wort Lessings anwendbar wäre: „Es sind nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten!" Und wirkt nicht selbst auf sonst kernhaste, nationale Männer die angesichts der nur aus dem Papier stehenden Gleichberechtigung der Juden doch geradezu lächerliche Jckoskel von der angeblich ungeheuren „u n b e z w i n g l i ch e n M acht der F u d e n h e i t" so einschüchternd, daß sie Dinge gutheißen, die sie aus anderen Gebieten nicht nur als gesetzunh verfassungswidrig, sondern auch als allen Grundsätzen liberaler und humaner Männer widersprechend rn.it Entrüstung bekämpfen würden? Ist es denn nicht widersinnig, dem „Judentum in bcx Politik" eine ungeheure, gefahrdrohende Bedeutung zuzuschreiben, während innerhalb der jüdischen Religionsgenossenschasten gar keine politische Uebereinstimmung vorhanden ist, vielmehr alle Juden nach ihrer freien Ueberzeugung sieh den verschiedensten politischen Organisationerl anschließen, soweit , sie in diesen Ausnahme finden, sogar alter Wahrscheinlichkeit nach auch vielfach in den konservativen Parteien vertreten sein würden,