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Im deutschen Reich · 1908-11-01 · Heft 11 (November 1908) · p. 611

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 11 (November 1908)
Article
Graf Tolstoi und das Judentum
Date
1908-11-01
Page
611 (sequence 1)
Language
German
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Im deutschen Keuh. reikfchnfi drr Lertrskereisr destscher Äeaklmrger Mische« Kissbess» Ärftfieittf mSlftnsiT im 3s$8te. XIY. IsLvg. Berlin, November 1908. Mr. 11. Kraf Tolstoi und das Judentum. Poti F a b i u s Schach, München. Die ganze Kulturwelt feierte vor kurzem den achtzigsten Geburtstag des größten Russen der Gegenwart, des kühnen Dichters und Denkers G r a f e n L e o To l st o i. Eine traurige Ausnahme hierin bildete nur Rußland, das stiefmütterliche Vaterland des Künstlers und Philosophen. Denn in diesem Lande des Rückschrittes durfte dieser Ehrentag der russischen Literatur nur mit großen Beschränkungen gefeiert werden. Es ist der Fluch Rußlands, daß es feine größten Söhne verleugnet und verdammt. Die Freiheit ist auch im heutigen „konstitutio- Ttelfert" Rußland ein verbotener Artikel, und da eine wahre Größe ohne freiheitliche Gesinnung nicht denkbar ist, wird jeder schöpferische Geist als Feind des Daterlandes verschrien und verfolgt. Das russische Volk in seinen intelligenten Schichten ist so begeisterungsfühig wie kann: ein zweites, und es denkt an Tolstoi mit glühender Verehrung, aber die reaktionäre und bureaukratische Regierung .hält jede Begeisterung, mit Ausnahme der für Schnaps und Knute, für gefährlich. Wir mußten es wirklich im 20. Jahrhundert erleben, daß die „Heilige Synode", die höchste kirchliche Behörde des Zarenreiches, sich erkühnte, einen Mann, der allgemein als einer der edelsten Christen Rußlands gilt, zum gottlosen Ketzer zu stempeln und seine Verehrung als Sünde hinzustellen. Die Synode, die sich wohl nur darum heilig nennt, weil sie nicht menschlich ist, hat damit nur bewiesen, wie weit entfernt sie vom wahren Christen-

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