Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1908-10-01 · Heft 10 (Oktober 1908) · p. 601

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 10 (Oktober 1908)
Article
F. Heman [Rezension]
Date
1908-10-01
Page
601 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2316602-2316766-2316776-2340624--18315-2340719
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Büch erschau. 601 ür Vertreter des Kapitalismus seit Zwei Jahrtausenden galtet, mr wart alle Juden. Das ist die große, welterschütternde Entdeckung des Herrn Heman in Basel. Bei einer so mangelhaften Kenntnis der historischen Boraauge, bei einer so oberflächlichen Vorbereitung, bei einer w blinden Voreingenommenheit hat man nicht das Recht, als 'Geschichtsschreiber anfzutreten. Dies ist das Urteil, das man Iber Hemans Geschichte des jüdischen Volkes fällen nnrß. lind daran ändern Reklameartikel in schweizerischen Blättern nicht das mindeste. M. P h i l i p P s o n. Cculine Alengeroff, Memoiren einer Großmutter. Bilder aus der Kulturgeschichte der Juden Rußlands im 19. Jahrhundert. Band I. Mit einem Geleitwort von Dr. Gustav Karpeles. Berlin 1908. Verlag von M. Poppeianer. Eine feinsinnige Greisin, die mir erquickender Irische und rcüiem Gcnrüte zu plaudern versteht, lehrt uns den oft verlaunten Juden des Ostens als vollwertigen Menschen verstehen. Zwar ist es ein engbegrenztes Leben, das die Juden dieser Säuischen Stadt Brest in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts führten; aber es war reich an innerem Werte, .Weihe und,.tiefes Symbol lag in den Formen dieses Lebens", äamilie und Synagoge find die Stätten, an denen es sich abspielt, Talmud und Erwerb müssen sich in die Gedanken lener Juden teilen. In das gleichförmige Arbeitsleben bringen die Festtage Abwechselung, die mit unendlich viel Liebe und nimmer abmattender Sorgfalt vorbereitet werden. Aber während hier niemand sich hinaussehnt aus dem engen Kreise, seines beglückenden Lebens, schreitet draußen die Zeit fort. Und eines Tages hält sie auch in Brest ihren Einzug, um auch hier Licht und Aufklärung zu verbreiten, von den Alten argwöhnisch begrüßt, von den Jungen mit heimlicher Begeisterung verehrt. Mit scheinbar unbedeutenden Reformen seht sie ein; aber sie schasst einen Bruch zwischen der alten und der Heranwachsenden Generation; die Familie vertiert ihre bisherige innige Zusammengehörigkeit. Auch äußerlich treten bedeutungsvolle Reuerungeu ein: Brest wird zur Festung umgebaut, und man muß den heimatlicheil Boden, an den sich tausend liebe Erinnerungen knüpfen, mit einer neuen, ach, so kalten Umgebung vertauschen. Herzzerreißende Szenen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.