Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- Stöckers Januskopf
- Date
- 1908-10-01
- Page
- 564 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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564 Im deutschen Reich. Ist das aber etwa „christlich-sozial", wenn Adolf Stöcker selbst die rechtliche Gleichheit aller Menschen als das Ergebnis der französischen Revolution, die religiöse Gleichheit alle r M e n s ch e n als einen der grundlegenden Gedanken des Christentums feiert, aber gleich darauf seinen lieben —ix behaupten läßt, daß der „g rünende Acker deutscher V o l k s g e s i t tu n g von jüdischen M a n l w urfsgäng e n u n t e r wühlt und von j ü d i - s ch e n M a n l w u r s s h a u f e n schließlich ü b e r d eck t wird?" In der Antisemiten-Presse werdet Ihr — wohin Ihr faßt — die schlimmste Wühlerei j u d e n f e i n d l i ch e r M a u l - würfe finden; wir aber wissen uns frei von ihren Anwürfen. Sucht auf dem grünenden Acker friedlicher und menschenfreundlicher deutscher Bolksgesittung! Dort und hoffentlich nur dort werdet Ihr — wohin Ihr faßt, Juden finden! A. L. äS '^urch die Sozialreformen ist seit Jahren für den sogenannten vierten Stand, für die Arbeiter, vieles geleistet worden; weit schwerer hat es sich aber bisher erwiesen, dem Handwerker und allen kleinen Gewerbetreibenden aufzuhelfen, denn bei den rastlosen Fortschritten der Technik, der durch die riesigen Verkehrserleichterungen begünstigten Wandlung im gesamten wirtschaftlichen Leben und der beständigen Verteuerung der Rohstoffe, der Lebensmittel und der Grundstücke wird dem einzelnen unbegüterten Gewerbetreibenden der Wettbewerb mit dem Fabrikwesen und dem Großhandel immer schwerer, mitunter sogar unmöglich. Was dabei aber im allgemeinen viel zu wenig in Betracht gezogen wird, ist die Tatsache, daß unter diesen Verhältnissen die jüdischen Handelsleute und Handwerker nicht minder, sondern eher noch mehr als die christlichen leiden und daß es für jeden, der die Lage dieser Schichten der jüdischen Bevölkerung Deutschlands genauer kennt, nahezu unverständlich ist, wie man es vermochte, die Mittelstands-Kalamitäten für die judenfeindlichen Agitationen erfolgreich anszubeuten.