Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- Stöckers Januskopf
- Date
- 1908-10-01
- Page
- 559 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316766-2316776-2340601--18230-2340677- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Stöckers Fanuskopf. 559 als ein „Unschuldslamm"; er ist als Christ geboren und erzogen und hat bei Juden nie Sympathien erweckt. Ebenso widersinnig ist die Behauptung, daß Juden, weil man sie nicht der Ehre würdigt, des Königs Rock als Offiziere zu tragen, sich an dem Mißgeschick der „Edelsten der Nation" Eulenburg, Hohenau, Lynar u. a. m. ergötzt hätten. Waren es denn Juden, die den Schmutz in einzelnen kleinen Garnisonstädten aufgewühlt und in Form von Romanen und Dramen ausgebreitet haben? Waren es Juden, die die Stücke „Zapfenstreich", „Rosenmontag" und ähnliche Schilderungen aus dem Osfiziersleben auf die Bühne brachten? Sind die geschiedene Edelsrau und die Professorenfamilie, die bekanntlich Harden in die traurigen Familienverhältnisse eines gräflichen Hauses einweihten, etwa Juden? Auf alle diese Vorkommnisse haben Juden nicht den geringsten Einfluß ausgeübt oder ausüben können. Die Ursachen der für die „Edelsten der Nation" so peinlichen Vorkommnisse, z. B. der Allensteiner Affäre u. a. m., sind ganz anderswo zu suchen als im jüdischen Lager! Wohin Ihr faßt, Ihr werdet dabei keine I üben f a s fe n, weit ehe r A n t i f e m i t ert o d e r d e r e n h o ch g e b o r e n e Gönner! Aber bei der Begeisterung des deutschen Volkes, die sich durch die Zeppelin-Spende in geradezu stürmischer Weise kund gegeb en hat, sollen nach Ansicht des Herrn —ix „die Juden" wieder in böswilliger Art die Hand int Spiele gehabt haben. In Wirklichkeit war aber die Opserfreudigkeit der deutschen Bürger jüdischen Glaubens eine so großartige, daß daneben die der Standesgenossen des Erfinders verhältnismäßig klein erschien. Die „Voss. Ztg." schrieb: „Man hätte vermuten sollen, daß der Adel auf den Grafen Zeppelin stolz sein, zu allererst bemüht sein werde, ihm, dem Standesgenossen, die Mittel zur Fortsetzung seiner Tätigkeit anzubieten. Es gibt Edelleute aus alten, bekannten Geschlechtern im Deutschen Reiche, die an Reichtum die größten Finanzleute und Industriellen überragen, Magnaten von außerordentlichem Besitz und Einkommen. Wie viele haben es für angemessen gehalten, den: Grafen Zeppelin mit ähnlichen Summen beizuspringen, wie sie ihm manche Bürger zur Verfügung gestellt haben?" Daß einzelne jüdische Kommerzienräte 100 000 M. nur deshalb geopfert haben, um den christ-