Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1908-10-01 · Heft 10 (Oktober 1908) · p. 558

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 10 (Oktober 1908)
Article
Stöckers Januskopf
Date
1908-10-01
Page
558 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2316602-2316766-2316776-2340601--18229-2340676
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

55S Im deutschen Reich. M o 11 f e zu einer -antisemitischen Autorität, obgleich er auf der Höhe seines Ruhms die neue Auflage einer von ihm als junger Hauptmann verfaßten Schrift nur unter der Bedingung zuließ, daß einige, darin befindliche, polnische Juden betreffende Zeilen abfälligen Inhalts in Wegfall kämen. Gellau so hat es dem Prof. M o m m s e n nichts gell ätzt, daß er, der den Juden Bamberger als den „Deutschesten der Deutschen" gefeiert hat, in einer späteren Auflage seines Hauptwerks die mißverständliche Aeußerung durchstrich, daß in Rom die Juden als Ferment der Zersetzung gewirkt hätten. Die Geistesarmut der Antisemiten gestattet ihnen eben nicht, wählerisch zu sein; was große Männer schon vor langer Zeit als Abfälle unter den Tisch geworfen haben, ist ihnen noch willkommenes Futter, an dem sich ihre Wiederkäuernatur deutlich genug bekundet. So muß auch Dingelstedts Wort: „Wohin Ihr faßt, Ihr werdet Juden fassen" Herrn „—ix“ Gelegenheit bieten, die Behauptung, daß „aller Dinge Bestes zu Judas Wohl diene", durch Beispiele zu begründen, die in Wirklichkeit das Gegenteil von dem beweisen, was er beweisen möchte. Diese Beispiele von dem „trotz ewiger Klage!" sich angeblich „maulwurfsartig"' vollziehenden „Vordringen des Judentums" haben sich nach der „Staatsbürger-Ztg." geltend gemacht: zunächst bei dem „Fall Eulenburg", und zwar in der Weise, daß man vereidigte Aerzte und Sachverständige indirekt der Begünstigung bezichtigte, daß man Eulenburgs Krankheit als Schwindel hinstellte, daß man nie gemachte Zeugenaussagen in die Welt hinausposaunte, daß man gegen den Liebenberger und sein Konventikel rostige Lanzen schmiedete usw. Den Beweis dafür zu erbringen, daß man unter btcfeau „nt a n" Juden zu verstehen habe, hält der antisemitische Artikelschreiber natürlich für überflüssig. Die Blätter, auf die er in den nächsten Sätzen schüchtern hindeutet, werden bekanntlich nicht von Juden, sondern von Protestanten oder Dissidenten redigiert; übrigens haben auch sie in der Hauptsache nur über das referiert, was gerichtsnotorisch war, und für Herrn Harden, der den Hauptschlag gegen die Liebenberger Tafelrunde führte, keineswegs Partei ergriffen. Daß Juden der Cnlenburg-Affäre gegenüber den jüdischen Wüstling „Sternberg" als „Unschuldslamm" hingestellt hätten, ist eine blödsinnige Erfindung. S t e r n b e r g i st s o w e n i g ein Jude

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.