Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 9 (September 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-09-01
- Page
- 517 (sequence 13)
- Language
- German
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Umschau. Z17 hat von Jaßnoja Poljana aus in tiefster Entrüstung über die russischen Massenhinrichtungen ein Manifest erlassen, das nrit den Worten begann: „Ich kann nicht schweigen!" und das für. Rrrßlanö etne ähnliche Wirkung haben dürfte wie Zolas „Ich klage an!" für Frankreich hatte. Tolstoi sagt, daß er sich angesichts der furchtbaren Metzeleien am liebsten noch selbst wie die Hingerichteten Bauern „in einen Sack und eine Mütze kleiden, die Bank fortziehen lassen und durch sein eigenes Gewicht dann die gut eingeseifte Schlinge um seine alte Kehle zusanunenziehen lassen möchte." Diese Sprache versteht das russische Volk, sie drückt das aus, was es selbst empfindet, nur aus Furcht bisher verschwieg, aber dauernd wiederholen wird, wenn sein -Zorn zum elementaren Ausbruch gelangt. Diese Gefahr zu beschwören, haben die russischen „Schwarzen Hundert" ihrem Bileam, den wundertätigen Priester Johann v. Kronstadt veranlaßt, nachstehendes „Gebet" zu veröffentlichen: „Gott im Himmel, bringe um deiner Kirche willen Friede in Rußland, um deiner armen Leute willen mache dem Aufruhr und der Revolution ein Ende. Nimm deinen Lästerer, den bösen und reuelosen Lew Tolstoi und alle seine leidenschaftlichen Anhänger und den Freund d e r I u d e n , Witte, weg von dieser Erde." In den Kulturländern, mit denen die russischen Machthaber gerade in letzter Zeit engere Beziehungen anzuknüpfen suchten, machen solche Gebete bei weitem nicht den Eindruck als das Zorneswort des von prophetischem Geiste beseelten Tolstoi. In Frankreich und England sträuben sich bereits große Volkskreise gegen ein Bündnis mit Rußland, das nie und nimmer dem Weltfrieden dienen kann. So hat am 13. Juli der Präsident des Nationalen Rates der englischen freien evangelischen Kirchen, Dr. Brook, in einer in Southport gehaltenen Predigt zu Tolstois Manifest wie folgt Stellung genommen. „Wir können einen solchen Appell nicht länger unbeantwortet lassen. Der Zar und seine Ratgeber werden eines Tages dem Richter der gesamten Erde über alles ungerechte Blutvergießen Rede zu stehen haben. Wir aber von den freien Kirchen, die wir mehr als die Hälfte der christlichen Gemeinden Englands repräsentieren, können nur unsere