Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1908)
- Article
- Jüdische Aerzte und russische Paßvorschriften
- Date
- 1908-06-01
- Page
- 387 (sequence 2)
- Language
- German
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Naaärug. 3^7 Längst haben diese Zustände in weiten ärztlichen Kreisen tiefen Mißmut erregt und Erwägungen veranlaßt, ob und wie Abhilfe z-u schaffen sein würde. Infolge einer, aus Anlaß eines krassen Einzelfalles an die O st p r e u ß i s ch e K a m m c r gerichteten Eingabe ist der Stein endlich ins Rollen gekommen. In der am 2. Mai stattgehabten Sitzung der Aerzlekammer für die Provinz Ostpreußen erklärte der Referent Forstreuter: „Meine Herren! Sie werden wohl mit den Antragstellern übereinstimmen und die Paßvorschriften, wie sie nach der gedruckten Anweisung des russischen Konsuls in Königsberg für deutsche Aerzte mosaischen Glaubens bestehen, für entwürdigend und die Interessen des ärztlichen Standes schädigend erachten. Da, wie wir gesehen haben, auch die Kollegen mosaischen Glaubens anderer Aerztekamrnerbezirke unter denselben Mißständen zu leiden haben, so stelle ich den Antrag, die hier zusammengefaßten Schriftstücke dem Aerztekannner- Ausschuß zu überreichen mit dem Anträge: „D u r ch d e n H e r r n M i n i ft e r de r M e d i z i n a l - a n g e l e g e n h e i t e n den Herrn R e ich s k a u z l e r z u bitten, eine G leich st e l l u n g d e r P a ß v 0 r - f ch r i f t e n f ü r beut] ch e tzl e r z t e m 0 s a i s ch e n G l a u b e n s m i t denen f li r d i e ü b r i g e n 2l e r z t e erwirken z u w ol l e n." Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen und beschlossen, durch den Ausschuß der preußischen Aerztekannnern alle anderen Kammern aufzufordern, dem Beschluß beizutreten. W ir h a b e n h i e r ei n e n e r fr e u li ch e n Er f 0 l g unserer Sache zu verzeichnen, denn wir zweifeln nicht daran, daß der von der Ostpreußischen K a m m e r gefaßte Beschluß die Reichsregierung von der Unhaltbarkeit der für die nach Rußland reisenden deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens bestehenden Ausnahmebestin.nnungen überzeugen wird. Dies wird besonders der Fall sein, wenn auch andere große deutsche Berufsorganisatiouen, wie z. B. die A n lo a l t s k a m m e r n , die S ch r i s t st e l l e r - B e r e i n i - g u n g e n, K ü n st l e r g e n 0 s s e u s ch a f t e n üsw., dem Beispiele der deutschen Aerztekannnern nachfolgend, in ähnlicher Weise an den Reichskanzler die Aufforderung richten, Schritte gegen eine ungleiche Behandlung ihrer Berufsgenossen jüdi-