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Im deutschen Reich · 1908-06-01 · Heft 6 (Juni 1908) · p. 380

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 6 (Juni 1908)
Article
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur [Rezension]
Date
1908-06-01
Page
380 (sequence 2)
Language
German
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380 Im deutschen Reich. voller wissenschaftlicher Aufsätze verbunden. Leimdörfer behandelt„die Religion als Naturgesetz der Seele", der gelehrte Orientalist Professor B a ch e r in Budapest den jüdisch-persischen Dichter Schahin aus Schiras, welcher im 14. Jahrhundert der gewöhnlichen Zeitrechnung lebte, und E r n st Cohn das bisher sehr vernachlässigte Gebiet der Geschichte der jüdischen Kunst in einem Aussatze über den „Buchschmuck der Hagada". Eine instruktive Erklärung des Buches Koheleth gibt Rosenberg, indem er es mit Goethes Faust vergleicht. Gern wird man auch die Briefe aus dem Nachlasse Augusts von Henning, eines Freundes Moses Mendelssohns, lesen, die Grün Wald veröffentlicht. Am meisten aber wird die Mitglieder unseres Central-Bereins die geistvolle biographische Skizze interessieren, welche der bekannte Literaturhistoriker Ludwig Geiger dem vor vier Jahren verstorbenen Dichter Karl Emil Franzos gewidmet hat. Mit Recht hebt Geiger hervor, daß sich Franzos dadurch von seinen Vorgängern in der Ghettodichtnng unterscheidet, daß er schon von Geburt ein Deutscher, Sohn eines deutschen Vaters und in deutscher Weise erzogen war, während Kompert, Bernstein und andere selbst als Kinder im Ghetto gelebt und eine jüdische Schulbildung empfangen hatten. Höchst interessant ist auch die Rolle, die Franzos in jungen Jahren in den Bestrebungen für Erhaltung und Förderung des Deutschtums in Oesterreich gespielt hat. Ihm wurden das Präsidium in deutsch-nationalen Studentenvereinen und die Reden bei den Festen, die man zu Ehren der deutschen Siege in Oesterreich veranstaltete, übertragen. Wie sehr sticht das gegen die Haltung ab, welche jetzt die große Masse der Anhänger des Deutschtums in Oesterreich gegenüber deutsch denkenden und fühlenden Israeliten einnimmt. Zweifellos wird die bedrängte Lage des österreichischen Deutschtums dadurch nicht gefördert, daß die sogenannten Deutschnationalen, statt jede sich ihnen bietende intellektuelle und materielle Unterüützung zu benutzen, lieber in der Ausbeutung des Vorurteils und Neides rückständiger Volksschichten mit der christlich-sozialen Partei wetteifern. Gerade die Mitglieder unseres Vereins stehen auf demselben Standpunkte, den der feinsinnige Biograph einnimmt, indem er am Schlüsse seiner Skizze dem Gedanken Ausdruck gibt, in welcher Weise wir alle die Gesinnung und Tätigkeit

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