Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-06-01
- Page
- 372 (sequence 6)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 372 sofortiger Kündigung den Bauer um Hof und Gut zu bringen. Erfahrungsmüßig sei das Gegenteil der Fall; der Bauer ziehe den jüdischen Darleiher vielmehr gerade deshalb vor, weil dieser eher eine Stundung gewähre als der Fiskus und als die sich an ihren strengen Formalismus haltenden Vereine. Die Redaktion hat uns darauf geantwortet, irgendeine antisemitische Tendenzliege ihr natürlich völlig fern, aber — was die wirtschaftspolitifche Seite der Frage betreffe, sei sie geneigt, sich auf die Seite des Verfassers zu stellen, dessen gewiß objektive Schilderung auf genauer Sachkenntnis beruhe. (?) Die Rasse als Religion spiele dabei für sie gar keine Rolle; sie hege die angenehme Erwartung, daß uns diese Erklärung genügen werde. — Diese Erwartung erfüllt sich nicht; wir müssen die Erklärung als ganz ungenügend bezeichnen, denn wenn Friedrich Oertel die Situation mit den Worten schildert: „Wenn der Herr vielleicht Geld brauchen usw.", soll dies-unverkennbar einerseits auf eine Verlockung seitens der Juden, andernfalls eine Katzenbuckelei veranschaulichen — und wenn in dem Artikel weder Rasse noch Religion eine Rolle spielen, warum spricht der Verfasser, der doch wissen muß, daß auch Christen Geld verleihen, nicht von einem privaten Geldverleiher, sondern von einem „Juden"? Wer so schreibt, befolgt bewußt oder unbewußt die antisemitische Verallgemeinerungsmethode, und kann sich nicht wundern, wenn er übe r Land u n d M e e r nicht mehr für völlig vorurteilslos gilt. — Frau Direktor vr. Minden hat auch in diesem Jahre an dem Todestage unseres immerwährenden Vereinsmitgliedes Herrn Albert Hirsch land dem zu feinem Gedächtnis begründeten „Fonds für Re chts schütz - z w e ck e" am 25. Mai Tausend Mark überwiesen und damit unsere Bestrebungen in dankenswertester Weise gefördert. * R. <&., Berlin. Dieser von Ihnen berührte Werdegang erregt bei den Antisemiten eine für uns höchst erfreuliche Mißstimmung. In einer Besprechung des Münzerschen Romans „Der Weg nach Zion" schreibt die uns ganz besonders gewogene „Deutsche Tageszeitung" in der ihr eigentümlichen