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Im deutschen Reich · 1908-06-01 · Heft 6 (Juni 1908) · p. 344

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 6 (Juni 1908)
Article
Polnischer Antisemitismus
Date
1908-06-01
Page
344 (sequence 4)
Language
German
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344 Im deutschen Reich. Zumutung zurück, ihr Deutschtum den Polen zuliebe zu verleugnen und etwa Bestrebungen zu fördern, die auf Lostrennung der Landesteile mit polnisch sprechender Bevölkerung von Preußen und Deutschland abzielen. Freilich wird die Stellung der Juden dadurch in diesen Landesteilen besonders schwierig. Die Deutschen, namentlich vielfach die Beamten, sondern sich von ihnen ab, teils aus Antisemitismus, teils aus kleinlichem Kastengeist. Wo man die Juden zurücksetzen kann, tut man es, setzt sich hierbei über langjährige Vereinbarungen skrupellos hinweg und scheut selbst ein Bündnis mit den doch sonst für so gefährlich erklärten Polen nicht, .wie es jüngst bei der Wreschener Stadtverordnetenwahl geschehen ist. In das polnische Lager können und wollen.die Juden trotzdem nicht übergehen, weil sie Deutsche sind und bleiben wollen. Aus diesem Zwiespalt ihrer Lage erklärt sich zum guten Teil die starke Abwanderung der Juden aus den östlichen Provinzen in den letzten Jahrzehnten. Die dort zurückgebliebene Zahl unserer Glaubensbrüder ist aber immer noch eine verhältnismäßig große. Wenn diese im Osten zurückbleibenden Juden trotz aller Bedrängnis von rechts und links sich doch immer noch behaupten und wirtschaftlich nicht ganz zugrunde gehen, so verdanken sie es ihrem Fleiße, ihrer Sparsamkeit imb Redlichkeit. Der „Pilger" bricht in Klagen aus, daß die Polinnen seinen Hetzereien nicht folgen, daß sie trotz des hundertfach proklamierten Boykotts jüdischer Kaufleute immer wieder in den Laden des Juden laufen. Er meint, sie tan es, weil ihre Mütter es getan haben. Solche automatischen Gewohnheitswesen sind die polnischen Frauen durchaus nicht; sie gehen zürn jüdischen Kaufmann, ebenso wie es die Frauen der deutschen Beamten und selbst der Antisemiten tun, weil sie dort gut und preiswert bedient werden, weil sich der Jude Mühe gibt, den Wünschen der Kundschaft zu entsprechen. Deshalb können wir unseren Brüdern in den östlichen Provinzen nur ans Herz legen, auf der heimatlichen Scholle trotz aller Schwierigkeiten auszüharren, sich durch Verunglimpfungen von deutscher und polnischer Seite nicht ihre Liebe zum Vaterlande verleiden zu lassen, wohl aber mit Fleiß, Ausdauer und Redlichkeit in allem Tun und Handeln ihre Stellung zu behaupten und damit am besten alle Verleumdungen deutscher wie polnischer Antisemiten zu widerlegen. Das Volk läßt

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