Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1908)
- Article
- Polnischer Antisemitismus
- Date
- 1908-06-01
- Page
- 343 (sequence 3)
- Language
- German
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Polni| cf)er 51 n111cintii§ntu§. 34 — Daß, soweit sich die Juden politisch betätigen, dies wesentlich in der Richtung der Parteien geschieht, die sich von dem sog. Hakatismus freihalten, davon weiß der fromme „Pilger" seinen Lesern nichts zu sagen. Es handelt sich ja nur um Juden; die darf man verleumden und beschimpfen, wenn man auch sonst noch so fromm sich, aufspielt. Wir würden dem Artikel des „Pilger" keine besondere Bedeutung beimessen,.weil wir leider von einer gewissen polnischen Presse Hetzereien gegen unsere Glaubensgenossen gewohnt sind. Dabei handelt es sich aber meist um minderwertige Blätter, wie den berüchtigten „Postemp", deren Redakteure und Verleger dem Geschmack ihrer dem blöden Antisemitismus verfallenen Leser zu entsprechen glauben, die aber von den ansläudiggn Polen kaum gelesen und jedenfalls nicht begünstigt werden. Ter „Pilger" dagegen ist ein Blatt, das als Organ der höheren Geistlichkeit gilt und in der Diözese Kulm sich einer großen Verbreitung und Beliebtheit unter den dortigen katholischen Geistlichen erfreut. Ties veranlaßt uns, dem Artikel eine gewisse Bedeutung beizumessen und ihn in das richtige Licht zu stellen, getreu unserem Grundsätze, den Feinden offen entgegenzutreten und nicht etwa, wie es leider viel zu lange zum Nutzen des Antisemitismus geschehen ist, Verleumdungen gegenüber unbedingt stillzuhalten. Gleichzeitig soll die Stellung der deutschen Juden zur Polenfrage etwas eingehender behandelt werden. Wir haben schon hervorgehoben, daß die Juden keine Hakatisten sind. Gerade diejenigen Personen, welche der „Pilger" zu Juden stempeln will, werfen den Juden vor, daß sie von den hakatistischen Bestrebungen sich fernhalten, sie weder durch Geld noch durch werbende Tätigkeit unterstützen. Die Juden sind seit Jahrtausenden stets und überall in der Minorität und haben am eigenen Leibe empfinden müssen und empfinden es noch heute, wie wehe die Zurücksetzung und Unterdrückung tut, wie Haß und Mißgunst, Leib, Gut und Ehre zu schädigen und vernichten versteht. Tie Juden haben sich dadurch niemals die Liebe zum Vaterlande verleiden lassen; sie lieben das Land, in dem sie geboren sind, in dem ihre Vorfahren seit Generationen gelebt haben und bleiben seine treuen Kinder, auch wenn man ihnen wehe tut, sie ungerecht behandelt und zurücksetzt. Deshalb weisen die deutschen Juden auch die