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Im deutschen Reich · 1908-06-01 · Heft 6 (Juni 1908) · p. 332

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 6 (Juni 1908)
Article
Der Humanist Reuchlin als Verteidiger des jüdischen Schrifttums
Date
1908-06-01
Page
332 (sequence 1)
Language
German
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332 Im deutschen Reich. Aer Humanist Weuchlin als MerLeidiger des jüdischen Schrifttums. Vortrag des Herrn Stadt- und Konferenz-Rabbiners Dr. Appel- Karlsruhe, gehalten in der ordentlichen Mitgliederversammlung des Central-Vereins am 25. Februar 1908. II. Bevor wir in der Schilderung des „Pfefferkorn-Streites" weitergehen, müssen wir auf das Gutachten R euch lins etwas näher eingehen. Ranke hat es in seiner Deutschen Geschichte im Zeitalter der Reformation (4. Aufl. 1. Bd. S. 185) „ein schönes Denkmal reiner Gesinnung und überlegener Einsicht" und David Friedrich Strauß in seinem „Ulrich von Hutten" (S. 189) „eine schöne Probe der Klarheit seines Verstandes, der Biederkeit feines Charakters und der Milde seiner Gesinnung" genannt. Das Gutachten ist nie besonders gedruckt worden und macht den Hauptteil des „Augenspiegels" aus. Es ist überschrieben: „Ratschlag ob man den Juden alle ire Bücher nemmen, abthun und verbrennen soll". Reuchlin meint, das sei eine Frage, über die sich manches für und gegen sagen lasse. Um aber zu einem sicheren Ergebnis zu gelangen, müsse man zwischen den Büchern unterscheiden. Da gäbe es in erster Reihe die Bücher der Heiligen, Schrift, die außer Frage stünden. Zweitens nennt er den Talmud, von dem er sagt: „das ist ein versammelte leer und auslegung aller gebott und verbotst so in der Lhora, das ist in den fünff büchern Moysi inen gegeben, der do sechs hundert und .XIII in der Zal durch vil ihrer hochgelerten vor langen zytten beschrieben sind". Er selbst habe den Talmud nie gelesen, weit er, trotz großer Mühe, die er sich gegeben, sich noch kein Exemplar habe beschaffen können, er kenne denselben nur aus Büchern, die gegen ihn geschrieben seien. Nun möge wohl im Talmud manches gegen das Christentum gesagt sein und es möge sich auch sonst manches Seltsame darin finden. Man müsse abweichende Ansichten widerlegen; aber nicht mit Fäusten dreinschlagen, wenn man nichts vorzubriugen wisse. Wie könne aber einer den Talmud verwerfen, der nicht einmal seine Sprache verstehe. Was würde man dazu sagen,

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