Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-05-01
- Page
- 300 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316766-2316772--17768-2340064- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
300 Im deutschen Meid). zu erwarten wäre, hat u. a. eine von dem deutsch-radikalen Landtags-Abgeordneten Prof. Reich elt vor einigen Wochen im Teplitzer Hausbesitzerverein gehaltene Hetzrede so deutlich gezeigt, daß von jüdischer Seite am 21. März eilte Protestversammlung veranstaltet wurde, in der nachstehende Resolution einstimmige Annahme fand: „Tie in der öffentlichen Vereinsversammlung des Vereines freisinniger Juden in Teplitz am 21. März 1908 im städtischen Kursalon in Teplitz versammelten Anwesenden erklären, daß sie nach wie vor ihre staatsbürgerlichen Rechte nach bester Ueberzeugung unbek. ü nt m e r t it m unerbetene R a t s chläge Dritter ausüben werden, daß sie weiter, dem gesunden freiheitlichen Sinne ihrer Mitbürger vertrauend, überzeugt sind, daß die Ehre der Stadt Teplitz niemals durch wüste, antisemitische A u s s ch r e i t u n g e n bedroht war oder bedroht werden kann, und weisen die Behauptung des Landtagsabgeordneten Professors Reichelt, als wären die Juden in nationalen und politischen Dingen unzuverlässig, als eine böswillige, durch nichts erwiesene Erfindung mit Entrüstung zurück." Bon Parteien, die Antisemitismus unter dem Deckmantel eines nationaldemokratischen Programms treiben, haben nicht nur die österreichischen Juden, sondern auch die Glaubensgenossen in anderen Ländern eher eine Verschlechterung als eine Verbesserung ihrer Lage zu erwarten. So haben neuerdings in Rumänien die Professoren Jorga und Kuza eine „Nationaldemokratische Partei" gegründet, deren Programm die „Frankfurter Zeitung" „bis auf die von fanatischem Antisemitismus eingegebenen Schrullen" als sehr vernünftig und aussichtsvoll bezeichnet. Tie Herren Jorga und Kuza, von denen die „Staatsbürger-Zeitung" lobend sagt, daß sie konsequenter feien als die Antisemiten, welche das Land regieren, fordern die Ausschließung der Juden vom Militärdienste. Vor Jahren habe ein liberaler rumänischer Kriegsminister bereits versucht, durch Gesetze die Juden vom Militärdienst auszuschließen, aber dies habe unter der jüdischen Bevölkerung eine so stürmische Protestbewegung hervorgerufen, daß die entsprechende Bestimmung aus dem Gesetz gestrichen werden