Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-05-01
- Page
- 294 (sequence 6)
- Language
- German
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294 Im deutschen Reich. Kandidatur der deutsch-sozialen Partei a f s eine g l ü ck l i ch e betrachtete. Es sei auch mitgeteilt worden, daß die sehr rührige und eifrige Agitationsweise der Herren Antisemiten, die vielleicht bisweilen über das Ziel hinaus schoß, bei den ruhigen Ostfriesen nicht recht verstanden worden sei. Die „Deutsche Tageszeitung" fügt hinzu: „Wenn wir das wiedergeben, so soll das für die Beteiligten kein Tadel sein, sondern lediglich eine Mahnung zur Vorsicht bei kommenden Wahlen." Diese Milde des Tadels ist wohl darauf zurückzuführen, daß der Bund der Landwirte sich bewußt ist, selbst eine schwere. Niederlage erlitten zu haben. Daß er, wenn auch vergeblich, mit^ seiner ganzen Kraft für die antisemitische Kandidatur eingetreten war, geht daraus hervor, daß er es fertiggebracht hat, in dem Landkreise Weener die freisinnige Stimmenzahl von 1686 auf 1280 herabzudrücken. Andere Landkreise ließen sich aber durch den auf die Landarbeiter und kleinen Landwirte versuchten Druck nicht beirren. Ten Sozialdemokraten war zwar Stimmenthaltung empfohlen worden; es sollen aber bei der Stichwahl nur etwa 500 sozialdemokratische Stimmer: weniger abgegeben worden sein: der Zuwachs an Stimmen für den Antisemiten rühre ausschließlich von den Agrariern unter den Nationalliberalen her. Die Entscheidung zugunsten der freisinnigen Kandidatur ist aber doch wohl durch die nachstehende Wahlparole der Nationalliberalen herbeigeführt worden: „Es versteht sich wohl von selbst, daß die Nationalliberalen in der Stichwahl für den freisinnigen Bewerber eintreten, mit dem uns immerhin gewisse liberale G r u n d a u f f a s s u n g e n und ein gut Stück gemeinsame r Weltanschauung verbinden. Mit der: antisemitischen Demagogen, die ihren Wettkampf auch jetzt wieder in der gehässigsten Weise gegen uns geführt haben, haben wir nichts gem e i n." Würde das hier betonte Bewußtsein der gemeinsamen liberalen Weltanschauung auch bei den bevorstehenden preußischen Landtagswahlen deutlich zum Ausdruck gelangen, so dürfte die preußische Regierung, um mit der Volksgesinnung sich nicht in Widerspruch zu setzen, sicher den veränderten Verhältnissen Rechnung tragen, wäre es auch nur, um dem oppositionellen Zentrum den freiheitlichen Wind aus den