Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-05-01
- Page
- 290 (sequence 2)
- Language
- German
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290 Im deutschen Reich. Wert der Erreichbarkeit. Man sollte keine Lehre verschmähen, andererseits aber auch keine großen Taten und Erfolge fordern, wenn man nicht imstande ist, dem, der schon mit Ratschlägen reichlich versehen ist, selbst mehr zn bieten als wohlseile Anweisungen. Die gute Absicht mag dabei anerkannt werden; wer aber im politischen Leben steht, wird bald erfahren, daß er von befreundeter Seite nur tätige Hilfe brauchen kann, während er selbst zielbewusst Vorgehen und die nützlichsten Lehren aus eigenen Erfahrungen und aus den Fehlern der politischen Gegner ziehen muß. Lob oder Tadel dürfen dabei ernste Entschlüsse nie beeinflussen. Wenige Wochen vor den preußischen L a n d t a g s w a h l e n hat die Reichstagsnachrvahl im Kreife <£m5ett4tor6en=£eet allen Beteiligten solchen Lehrstoff in reichem Maße geboten. Wir dürfen ihn um so weniger unbenutzt lassen, als das, was wir dabei getan oder nicht getan haben, vorher und nachher Gegenstand der Kritik gewesen ist. Als das Hamburger „Israelitische Familienblatt" seine anfänglichen Zweifel, ob der Central-Verein auch die Bedeutung der Emdener Nachwahl hinreichend würdige, durch die Anerkennung dessen widerrief, was von unserer Seite geschehen war, um die Wahl eines Antisemiten zn verhindern, wurde dies alsbald von der Stichwahl von dem antisemitischen Wahlkomitee zu fettgedruckten Anzeigen mit den aufreizenden Worten verwertet? „Ostfr i e s e n! Merkt euch das! D e r C e ntral - Verein beutscher Staatsbürger jüdische n G l a u be ns i st e s , der da jetzt ruft: Jan mutt rin! L a ß t e u ch nicht verblüffen! Haltet treu zu eurem Volke und wählt Groneveld!" Was wir bei der Wahl in Emden geleistet haben, entsprach tatsächlich nur den im vorigen Hefte dieser Zeitschrift (S. 255) veröffentlichten programmatischen Sätzen: „11 n s e r e politische Tätigkeit m u ß sich darauf beschränken, i'i b e r a l l dort, w o e i n entschiedener Gegner der G l e i ch b e r e ch t i g u n g der deutschen Juden Aussicht hat, ein Mandat z n erringen, dessen Wahl d n r ch 11 nter st ü tzung eines a u § s i ch t s v o l l e n G e g e u r a u d i d a t e n m ö g l i ch st zu v e r h i n d e r n. Daß wir dies iu allen Fällen getan haben, wo der Kampf