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Im deutschen Reich · 1908-05-01 · Heft 5 (Mai 1908) · p. 277

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 5 (Mai 1908)
Article
Das Borkum-Lied im Herrenhause
Date
1908-05-01
Page
277 (sequence 1)
Language
German
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277 Das Borkumlied im Herrenhause. Jas AorKum-Lied im Kerrerr hause. Bei der Beratung des Etats des Ministeriums des Innern ist in dem als „exklusiv" geltenden preußischen Herrenhause am 31. März d. I. auch des Seebades Borkum gedacht worden, in dem seit Jahren einer Exklusivität gehuldigt wird, die nichts weniger als vorne h m ist. Dieser Empfindung hat nach dem stenographischen Bericht Herr Oberbürgermeister S t r u ck m a n n - H i l d e s h e i m im Herrenhause wie folgt Ausdruck gegeben: „Ich möchte den Herrn Minister des Innern um Abhilfe ersuchen wegen der Mißstände, die sich seit einer Reihe von Jahren auf der Insel Borkum heraus gebildet haben, und von denen ich tzlaube, daß sie im Interesse der öffentlichen Ordnung und im staatlichen Interesse nicht ferner geduldet werden dürfen. Es hat sich auf der Insel Borkum unter einer Gruppe von Badegästen seit einer Reihe von Jahren eine Richtung geltend gemacht, die gegen die Juden gerichtet ist und dieselben von der Insel fernzuhalten sucht. Sie haben das anfänglich in der Weise versucht, daß sie die Wirte veranlaßt haben, an Juden keine Logis zu vermieten, daß sie die Restaurateure veranlaßt haben, ihnen keine Speisen zu verabreichen, und daß sie auf andere ähnliche Weise den Juden den Aufenthalt auf Borkum unmöglich oder sehr unangenehm zu machen versucht haben. Meine Herren, das sind alles Mittel gewesen, die ich meinerseits nicht schön und nicht richtig finde; am wenigsten, glaube ich, verdienen sie den Namen „christlich" oder „sozial". Etwas Christliches kann ich darin nicht finden. Aber die Mittel haben sich mehr auf dem privatrechtlichen Gebiet bewegt, und dagegen ist wohl schwerlich etwas anderes zu machen, als daß man durch Aufklärung auf das Unangemessene derartiger Mittel hinweist. Es scheinen dann aber diese von mir angeführten Mittel nicht genügt zu haben, denn seit einer Reihe von Jahren ist man zu drastischeren Mitteln übergegangen. Man hat ein Gedicht verfaßt, das sogenannte Borkum-Lied. Man verbreitete es massenhaft auf Borkum, und dort ist es überall bei den Kellnern, in den Wirtschaften und in den Handlungen zu haben. Es wird auf Ansichtskarten gedruckt und durch die Post Vertrieben. Diese Ansichtskarte liegt mir vor, und ich

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