Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1908)
- Article
- Die Reichstagsverhandlungen über die Zurücksetzungen der jüdischen Einjährig-Freiwilligen
- Date
- 1908-05-01
- Page
- 266 (sequence 1)
- Language
- German
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266 Im deutschen Reich. Die MeichstagsverHandluilgen üöer die Zurücksetzungen der jüdischen Ki«jäHrig-Ireiu»iLigen. (Nach dem amtlichen stenographischen Bericht.) Es ist ein. unleugbares Verdienst der freisinnigen Parteien, die den jüdischen Soldaten widerfahrenden Zurücksetzungen immer wieder im Reichstage zur Sprache zu bringen. Wir müssen dieses Verdienst rückhaltlos anerkennen, ohne dabei darüber zu klügeln, ob dieses mannhafte Eintreten aus wirklicher Teilnahme an dem Lose der Juden oder nur als eine notwendige Folge der liberalen Parteigrundsätze zu betrachten sei. Ein Mißstand, der wie diese mit dem Gesetz und der Verfassung nicht in Einklang stehende Behandlung der jüdischen Heerespflichtigen, seit Jahrzehnten trotz aller . Klagen Don jüdischer Seite bisher nicht zu beseitigen war, kann nur unter dem Schutze der p a r l a m e n t a r i s ch e n I m m u n i t ä t wirkungsvoll gegeißelt werden. Leider sind bisher auch im Reichstage seitens der Vertretung der Regierung nur dieselben beschwichtigenden Hinweise auf das gewissenhafte Festhalten an Verfassung und Gesetz erzielt worden, die in ähnlichen Fällen auf bezügliche schriftliche Eingaben nahezu stereotyp zu erfolgen Pflegen. Das gesprochene Wort findet aber einen lauten Widerhall nicht nur in der Gesamtbevölkerung, sondern auch an den Regierungstifchen, wo derartige Anklagen immer peinlich empfunden werden,-selbst wenn.sie anfangs der Jubel der mit der bisherigen Verwaltungspraxis zufriedenen Parlamentarischen Mehrheit übertönt,. Auch in dieser Mehrheit verstummt schließlich aus Gerechtigkeitsgefühl dieser Jubel,, wenn die Anklagen sich wiederholen: wie keine Freisprechung dem Angeklagten die peinliche Erinnerung nimmt, auf der Anklagebank gesessen zu haben, hilft keine Sympathie über die mißliche'Empfindung hinweg, etwas ' öffentlich gebilligt, zu haben, was im Grunde nicht zu billigen ist. Würde von freisinniger Seite auf den durch die erwähnten Zurücksetzungen dem Heereswesen zugefügten Schaden noch öfter hin gewiesen, dann dürfte man doch Mittel und Wege finden, mit den offenbar noch im Offizierkorps des Beurlaubtenstandes vorhandenen mittelalterlichen Vorurteilen auszuräumen. Nur der erste Schritt ist immer schwer, aber dieser ist bereits im Heereswesen getan, denn hier wurde