Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 4 (April 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-04-01
- Page
- 224 (sequence 13)
- Language
- German
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224 Im deutschen Reich. jüdischen Arbeitgeber über ihre druckende Not zu trösten. Dieselben Blätter, die gegen die einträgliche Veröffentlichung der Anzeigen solcher jüdischer Bankiers, die in der judenfeindlichen „Staatsbürger-Zeitung" und in ähnlichen Blättern inserierten (weil sie in nichtantisemitischen Kreisen nichts mehr hoffen konnten) nichts einzulveuden hatten, ihren Anhang dazu verleiteten, gegen hohe Zinsen diesen Inserenten ihre Ersparnisse anzuvertranen, schimpfen nun über die „Pleitegeier". Sie geben sich den Anschein, als ob bei der verdammenswerten Vernrichtung zahlreicher Existenzen des Mittelstands irgendeine ©cCjiiIb aus das konfessionelle Konto zu setzen sei. Unter den Firmen, deren Zusammenbruch die „Deutsche sozialen Blatter", die „Staatsbiirger-Zeitung", die „Deutsche Reform" zu Artikeln wie der „Pleitegeier" veranlaßten, befinden sich zahlreiche nichtjüdische und wenn auch ein jüdischer Bankier das in ihn gesetzte Vertrauen schnöde mißbraucht hat, sind die Juden gewiß die letzten, die sein frevelhaftes Verfahren zu beschönigen suchen. Aber weder die Abstammurrg ltnb Gesinnung noch das Religionsbekenntnis haben damit etwas zu Um. In einem „Fromme SünSex“ überschriebeneu Artikel schreibt die „Volks-Zeitung": „Haben die Antisemiten so schnell die Namen der christlichen Bankiers vergessen, die in sensationellen Bankkrachen der letzten Jahre eine verhängnisvolle Rolle'gespielt haben, und die als Säulen von Thron und Altar galten und durch eine ostentative äußerliche Frömmigkeit sich weitreichenden Einfluß zu verschaffen verstanden hatten? Da ist zunächst der fromme Gerhard Terlinden, der unzählige Berufsgenossen, Kausteute und Industrielle zu täuschen verstanden hat. Ihm reiht sich wlirdig an K o m m e rzienrat San den, dür von den erschwindelten Geldern in seinem Garten eine Privatkapelle bauen ließ, in der er sich nach erledigten Geschäften zu Stunden stiller Andacht zurückzog. Der dritte im Bunde ist der berühmte „T r eber-Schmid t", der inr Vestibül seiner Kasseler Geschäftshäuser die Widmung angebracht hatte: „Im Munde die Wahr h eit; (von Bruhn?) inr Herzen die Treu e". Auch die vor einigen Jahren verkrachte Leipziger Bank war