Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 4 (April 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-04-01
- Page
- 222 (sequence 11)
- Language
- German
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222 Im deutschen Reich. D. Stöcker herausgegebenen Blätter„Reich" und „Staatsbürger- Zeitung" noch nicht an der „nationalen" Gesinnung und Gesittung Bruhns irre gemacht haben, ist der beste Beweis dafür, zu welcher Verblendung es führt, wenn man sich an den groben Unfug gewöhnt, „deutsch-national" und „antisemitisch" für identische Begriffe zu halten oder auszugeben. Wenn ein Verband in seinen Satzungen die Bestimmung hat, daß die Aufnahme von Ausländern zulässig, die von deutschen Berufsgenossen f ü d i s ch e n Glaubens aber ausgeschlossen sei, aber trotzdem den Namen Her öerrtsch-natronale Handlungsgehilfen-Verband fuhrt, so ist es wirklich schwer, reine Satire zu schreiben. Ein Verband, der sich beständig als den berufensten Vertreter der Handlungsgehilfen-Jnteressen hinstellt, aber bei allen Veranstaltungen der antisemitischen politischen Fraktionen hospitiert und bei politischen Wahlen sich unter die Fittiche des für den Handelsstand nicht gerade begeisterten Bundes der Landwirte begibt: ein Verband, der, nachdem er Jahre hindurch einen anderen Handlungsgehilfen-Verband in unschöner Weise befehdet, diesen plötzlich zu einer Verschmelzung zu verlocken sucht, um wahrscheinlich sich dadurch aus mancherlei Verlegenheiten herauszuhelfen, segelt zweifellos unter falscher Flagge, wenn er sich „d e u t s ch - n a t i o n a l" nennt. Die harmlose Annahme, daß die Leiter des Verbandes, des langen Haders müde und die unfruchtbare Wirkung der antisemitischen Tendenz einsehend, die famose Fusion mit dem besser situierten Leipziger Verband nur angebahnt haben, um die Berufsinteressen durch eine Riesenorganisation besser fördern zu können, wird fast nur bei den unverbesserlichsten Optimisten Glauben finden. Der in der Wolle antisemitisch gefärbte Verband würde judenfeindlich bleiben, selbst wenn diese Tendenz in seinen Satzungen nicht mehr zum Ausdruck gelangte. Aber selbst, wenn er sich wirklich vom Antisemitismus loslösen wollte, würden die Leiter dieser kulturwidrigen Bewegung einen ihm so willige Heeresfolge leistenden Anhang nicht kurzerhand freigebeu. Schon der bloße Verdacht, daß jetzt, wo ein Kreisverein des Leipziger Verbandes nach dem anderen gegen dessen Verbindung mit dem antisemitischen Handlungsgehilfen-Verband Verwahrung einlegt, nicht nur