Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 4 (April 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-04-01
- Page
- 213 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. 25 3 Vierteljahren das Wort „national" zur schrecklichsten Unduldsamkeit gestaltet und zu einem der geistlosesten Schlagworte der Oeffentlichkeit geworden sei. Die „Märkische Volkszeitung", die bisher bei Besprechung jüdischer Angelegenheiten so wenig Rücksicht darauf nahm, daß wir n i ch t n u r I u d e n , s o n d e r n au ch Me n s ch e n und e b e u s o g u Le Deutsche sind, wie unsere ch r i st - l i ch e n M i L b ü r g er, ereifert sich dann weiter über die jetzigen „grotesken Formen" des „National" und sagt: „Dann schaue man einmal in die echt nationale Presse hinein, wie „Deutsche Tageszeitung", „Tägliche Rundschau" und Konsorten. Da werden die Grafen und Fürsten, die gegen die Enteignungsvorlage gestimmt haben, allesamt als antinational und als minder national bezeichnet; in den unflätigsten Worten werden sie beschimpft, weil sie dem Götzen „National" nicht huldigten. Wir haben es also so weit im deutschen Reiche gebracht, daß man dem Schwager des .Kaisers, dem Bruder der Kaiserin, den nationalen Sinn abspricht, daß der frühere Oberpräsident von Schlesien zu den Antinationalen gerechnet wird, wozu auch der Freund des Kaisers, Fürst von Fürstenberg, gehören soll. Die Reihe dieser neuesten Antinationalitäten ließe sich noch sehr verlängern." Daß die mit Recht von dem Zentrumsblatte gerügte chauvinistische Ueberspannung des Nationsgefühls weit weniger mit dem von ihr verspotteten Byzantinismus als mit dein Rassensanatismus zusammeuhangt, weiß es nicht oder will es nicht wissen, da es in demselben Artikel sich über „die jüdischen Bankiers" aufhält, die als „national" gelten, weil sie im Herrenhause die Ansicht des Reichskanzlers vertreten haben.- Uns sind solche jüdischen Bankiers völlig unbekannt; sie existieren offenbar nur für solche Deute, die von Rassenvorurteilen befangen sind und alle anderen Menschen nach ihrer Abstammung differenzieren. Gerade die Abstammung der Menschen ist eschedoch, die man im allgemeinen, wenn auch mit Unrecht, für das wahre Kennzeichen der Nationalität hält. Ist dies auch unzutreffend, weil es z. B. in ganz Europa keine einzige Nationalität gibt, die von einer ungemischten Abstammung ist, so berührt es doch immerhin eigentümlich, daß jemand gegen den Fetischdienst der Nationalität eifert und sich doch von dem noch weit