Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 4 (April 1908)
- Article
- Die Central-Vereins-Versammlung des Landesausschusses für das Herzogtum Anhalt
- Date
- 1908-04-01
- Page
- 211 (sequence 3)
- Language
- German
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Central-Vereins-VersammLung des Landesausschusses. 211 sührlich vom gesellschaftlichen Antisemitismus, unter dem der deutsche Jude leide. Was könne das Judentum tun, um ihn zu bekämpfen? Es müsse sich sittlich so untadelig führen, daß ihm niemand etwas anhaben könne und müsse dabei Selbstbewußtsein ohne Selbstüberhebung betätigen. Der deutsche Jude wolle mit allen Volksgenossen in Frieden leben, aber er verzichte darauf, sich aufzudrängen. Auch dieser Redner schloß mit der Aufforderung, dem Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens beizutreten, und erntete starken Beifall. — Herr Dr. Cohn drückte im Schlußwort, nachdem sich zur Diskussion niemand gemeldet hatte, beiden Referenten nochmals Dank aus und führte einige ihrer Gedanken noch weiter aus. Er betonte insbesondere den nationalen Charakter der deutschen Juden, die mit Leib und Seele am deutschen Vaterlande hängen. Die Fehler, welche den Juden vorgeworfen würden, hätten sie doch nicht durch eigene Schuld. Da spreche die tausendjährige Verfolgung, die das Judentum erduldet, wesentlich mit. Das müsse in der sittlichen Kultur zum Ausdruck kommen. Das deutsche Judentum habe die Pflicht, getreu den hohen ethischen Gesetzen seines religiösen Bekenntnisses vorwärts zu streben. Diese Tendenz müsse schon bei der Erziehung der Kinder maßgebend sein. Sehr scharfe Worte fand der Redner gegen diejenigen Juden, die um äußerlicher Vorteile willen für sich oder ihre Kinder das Judentum verlassen. Dann ermahnte er die Glaubensgenossen, angesichts der antisemitischen Angriffe nicht fatalistisch beiseite zu stehen, sondern die ihnen zugesicherten staatsbürgerlichen Rechte auch auszuüben, sich am politischen Leben zu beteiligen usw. In gemeinsamer Arbeit im Allgemeininteresse werde so manches Vorurteil verschwinden: ,,Unsere christlichen Mitbürger sind nur dann unsere Feinde, wenn sie uns nicht kennen." Schließlich müsse das deutsche Judentum, wenn es nicht um seiner selbst willen geschehe, sich um des Vaterlandes willen gegen den Antisemitismus alter Art verteidigen, denn es könne nicht int Interesse des deutschen Volkes liegen, wenn mehr als eine halbe Million jüdischer deutscher Bürger, unter denen viel Intelligenz und Tatkraft vorhanden sei, im Staatsleben lahmgelegt würden — Auch diese Ausführungen fanden wärmsten Beifall. Dann wurde die Versammlung gegen *47 Uhr geschlossen." Ä-