Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 4 (April 1908)
- Article
- Die Central-Vereins-Versammlung des Landesausschusses für das Herzogtum Anhalt
- Date
- 1908-04-01
- Page
- 210 (sequence 2)
- Language
- German
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210 Im deutschen Reich. deutsche Vaterland bluteten. In dieser Zeit schienen alle religiösen Unterschiede beseitigt, bis Mitteder siebziger Jahre die antisemitische Bewegung einsetzte, die Männer wie Mommsen und v. Forckenbeck öffentlich als eine Infamie bezeichneten. Redner schilderte eingehend das Auftreten des politischen Antisemitismus, der auch jetzt noch nicht abgetan sei. Der mit wissenschaftlichen Gründen operierende Rassenantisemitismus sei weniger bedeutsam. Die schwerste Einbuße erleide die deutsche Judenschaft aber durch die wirtschaftliche und gesellschaftliche Befehdung. Biele Berufe seien den Juden nach wie vor verschlossen; es sei, als sollten sie in ein neues Ghetto hineingezwängt werden. Um diesen Antisemitismus offen und mit aller Energie zu bekämpfen, sei der „Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" endlich 1893 begründet worden. Der berechtigte Kampf gegen den Antisemitismus und der Kampf für die staatsbürgerlichen Rechte der deutschen Juden, das sei die Aufgabe des Central-Vereins. Mit einem hoffnungsvollen Ausblick in die Zukunft schloß der Redner unter starkem Beifall der Anwesenden — Herr Dr. Cohn fand Worte des Dankes für den Vortragenden und erteilte sodann Herrn Sanitätsrat Dr. Wiesenthal vom Centralvorstand aus Berlin das Wort zu dem Referat über die Tätigkeit d es Cen tr alv o rst a n d es. In lebhaften Farben entwarf der Referent ein Bild dieser Tätigkeit. Von antisemitischer Seite werde dem Central-Verein vorgeworfen, daß er durch sein Vorgehen erst den Antisemitismus Hervorrufe. Die deutschen Juden, die, wie jeder andere Staatsbürger auch, ihr deutsches Vaterland lieben und ihre staatsbürgerlichen Pflichten gewissenhaft erfüllen, hätten das gute Recht, den sie schwer schädigenden Antisemitismus zu bekämpfen. In diesem Sinne wirke der Central-Verein und springe überall helfend und ratend ein, wo unlautere Machenschaften des Antisemitismus sich bemerkbar machen, oder staatsbürgerliche Rechte der Juden durchzusetzen und zu schützen seien. Redner gab dafür zahlreiche Beispiele aus der Praxis, wobei er auch der vielen Beschimpfungen der jüdischen Religion gedachte. In Anhalt, das könne er nach seiner Kenntnis der Dinge konstatieren, herrsche Friede und Eintracht zwischen den Konfessionen. Weiter sprach auch dieser Redner aus-