Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 4 (April 1908)
- Article
- Der Humanist Reuchlin als Verteidiger des jüdischen Schrifttums
- Date
- 1908-04-01
- Page
- 202 (sequence 1)
- Language
- German
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202 Im deutschen Reich. Der Kumanist Aeuchttn aks Werteidiger des jüdischen Schrifttums. Vortrag des Herrn Stadt- und Konferenz-Rabbiners Dr. Appel- Karlsruhe, gehalten in der ordentlichen Mitgliederversammlung des Central-Vereins am 25. Februar 1908. . Im September des Jahres 1509 erschien im Hause des Di. Johann Reuchlin in Stuttgart ein vor mehreren Jahren zum Christentum übergetretener Jude namens Johann (früher Joses) Pfefferkorn und zeigte ihm ein vom Kaiser Maximilian im Heerlager zu Padua am 19. August desselben Jahres ausgestelltes Mandat vor, das an die Juden des Reichs gerichtet war und diese ausforderte, alle ihre Bücher, die gegen den christlichen Glauben gerichtet seien oder auch ihrem eigenen Gesetze zuwiderliesen, „unserm Diener und des Reichs getreuen Johannsen Pfefferkorn — als einem wohlgegrundten und ersarn eures glaubens vorzuzeigen", und diesem wurde das Recht gegeben, dieselben in Gegenwart des Ortspsarrers und zweier Amtspersonen „von euch zu nehmen und zu unterdrücken". Pfefferkorn stellte an Reuchlin das Ansinnen, mit ihm an den Rhein zu reiten, „ihm das helfen wider die Juden vollstrecken". Pfefferkorn mochte wohl glauben, daß Reuchlin hierzu die geeignetste Persönlichkeit sei, da Reuchlin seinem Berufe nach Jurist, seiner Neigung nach Philologe und Kenner der hebräischen Sprache und Literatur war. Reuchlin aber gefiel weder der Mann noch sein Begehren, er schützte Geschäfte vor und erklärte, daß das Mandat einige rechtliche Mängel habe. Reuchlin hörte von der Angelegenheit weiter nichts, bis er am 24. August des folgenden Jahres von dem Erzbischof Uriel in Mainz ein aus Aschafsenburg vom 12. August datiertes Schreiben nebst einem am 26. Juli zu Füssen ausgestellten Kaiserlichen Mandat erhielt, laut welchem von den vier theologischen Fakultäten zu Köln, Mainz, Erfurt und Heidelberg, sowie dem Ketzermeister Jacob Hochstraten zu Köln, dem Di. Johann Reuchlin, dem Konvertiten Victor von Karben und „allen und jeglichen der hebräischen Gesetz, Schriften und