Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 3 (März 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-03-01
- Page
- 163 (sequence 11)
- Language
- German
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Umschau. gelegenheiten nur eine jet)r mäßige Geneigtheit zu einem Entgegenkommen zu bemerken. Bei der Beratung öe* Militäretats hat der Vertreter des erkrankten Kriegsministers, Generalleutnant Sixt von Armin, den ungeteilten Beifall der Rechten geerntet, weil er zwar die etwaige gurüd'fdping <£iniä^rtger jüdischen Glaubens selbstverständlich im höchsten Grade zu mißbilligen erklärte, aber schnell hinzufügte: „Die Wahl der Reserveoffiziere liegt in der Hand des Offizierkorps." Er meinte zwar, der preußische Kriegsminister, der an der kaiserlichen Kommandogewalt rütteln ließe, müsse erst noch geboren werden, aber so weit scheint doch die Kommandogewalt nicht durch den Kriegsminister geschützt zu sein, daß sie imstande wäre, den Kastengeist und die religiösen Vorurteile zu beseitigen, die bei dem sich autonom fühlenden Offizierkorps immer geltend gewesen sind, auch wenn bei der Wahl der Reserveoffiziere tüchtige jüdische Aspiranten in Frage kamen. Der Herr Generalleutnant bezeichnete es trotzdem als ausgeschlossen, daß das deutsche Heer politischen Schwankungen und politischen Parteien unterworfen sei, mußte sich aber sofort von einem Zentrumsmitglied, dem Abg. Erzberger, auf flagrante Fälle politischer Parteinahme von Bezirkskommandeuren und Kriegervereinsvorständen in Fulda und an der Saar verweisen Lassen. Es ist die alte Melodie der Herren am Regierungstische — wir kennen sie! In konservativen Organen wird, zunächst noch schüchtern, der vollständige Bruch mit der Blockpolitik und die Herbeiführung einer fonfexvativ=ultxamontanen Paarung empfohlen, bei der selbstverständlich der Pietismus nicht zu kurz kommen würde, und die Agrarier neue Zollerhöhungen zu erreichen hoffen. Da sich Fürst Bülow zu sehr gegen das Zentrum engagiert hat, setzen die geschäftigen Vermittler ihre Hossnung auf den angeblich des Finanzportefeuilles überdrüssig gewordenen Minister v. Rheinbaben. der im Abgeordnetenhause bei der Beratung des Etats der