Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 3 (März 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-03-01
- Page
- 154 (sequence 2)
- Language
- German
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154 Im deutscher ^reich. Hinter diesen scheinbaren Scherzen verbirgt sich ein tiefer Ernst: denn zwischen Männern, die als höchste Instanz „einerlei Gesetz für Einheimische und unter ihnen wohnende Fremdlinge, gleiches Recht für alle Bewohner des Vaterlandes" anerkennen, und solchen, diewillenlos tun, „w a s ihnen der Herr g e b o t en ", gähnt eine tiefe Kluft. Wie schwer diese zu überbrücken ist, zeigt sich von Stunde zu Stunde mehr zur größten Enttäuschung derer, die deshalb an die Möglichkeit einer Blockpolitik geglaubt haben, weil bei der unverkennbaren, unfreundlichen Gesinnung großer Nachbarstaaten gegen das mächtig emporstrebende deutsche Reich eine dauernde Verständigung der vaterlandsliebenden Kreise der verschiedensten politischen Richtung als ein Gebot der Notwendigkeit betrachtet werden mußte. Die Verschiedenheit des Besitzes, der Abstammung, der Religion oder der Muttersprache, bilden jedoch bei weitem keine so unübersteigliche Schranke zwischen einzelnen Bevölkerungsteilen als die Verschiedenheit der Erziehung. Zwischen den Anschauungen, die im deutschen Reichstage bei der Debatte über das Gehalt des Kriegsministers von dem Junker v. Oldenburg einerseits und dem Demokraten Konrad Haußmann andererseits zum Ausdruck gebracht wurden, scheint eine Verständigung absolut unmöglich. Was der stockkonservative Oldenburg mit der ihm eigenen Offenherzigkeit von sich selbst sagte, „daß er als Leutnant die Notwendigkeit des Vorhandenseins eines Reichstages gar nicht habe einsehen können", berechtigte nicht nur zu der Annahme, daß er auch jetzt noch nicht von dieser Notwendigkeit überzeugt sei, sondern daß auch die ganze Kaste, der er angehört, dem Absolutismus nicht fern stehe. Die kernfeste Strafpredigt, die darauf der Demokrat Haußmann unter stürmischem Beifall der gesamten Linken dem Herrn von Oldenburg hielt, weil dieser nur den Heldentod einzelner Junker, aber nicht das gelten lassen wollte, was das deutsche Bürgertum geleistet habe, sollte nicht nur ihn, sondern seine ganze Partei treffen, dürfte aber diese kaum eines Besseren belehrt haben. An den ehernen Tra-