Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-02-01
- Page
- 117 (sequence 7)
- Language
- German
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B crei n s n a ch r i d; len. 117 Bewegung, die aus wirtschaftlicher Not und chauvinistischen Ideen entstanden, durch Erregung von Rassen- und Religionshaß gefördert, immer weitere Kreise zog und die Juden auf allen Gebieten des öffentlichen, gesellschaftlichen und geschäftlichen Lebens gefährdete. Lange taten die Angegriffenen nichts; nur wenige erkannten rechtzeitig die Größe der Gefahr, wie der Vorsteher der Liegnitzer Gemeinde, der schon im Jahre 1879 in einer dringlichen Vorstellung an den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund zu schleunigen und energischen Maßregeln zur Abwehr aufforderte — leider vergebens. Erst als eine Anzahl antisemitischer Abgeordneter in den Reichstag eingezogen und die Zurücksetzung der Juden immer krasser sichtbar geworden sei, hätten, nachdem von christlicher Seite der Verein zur Abwehr des Antisemitismus ins Leben gerufen worden sei, jüdische Männer sich auf die Pflicht, selbst ihre Sache zu führen und für ihre bedrohten Rechte einzutreten, besonnen und im Februar 1893 den Central-Verein gegründet in der Erkenntnis, daß eine wirksame Abwehr nur von den Angegriffenen selbst geleistet werden könne, und daß es Pflicht jedes Mannes sei, selbst seiner Haut sich zu wehren und für sein Recht zu kämpfen. In dem Namen des Vereins liege auch sein Programm: Der Verein wolle ein Central- Verein sein, d. h. alle jüdischen Deutschen umfassen, gleichviel zu welcher religiösen Richtung oder politischen Partei sie gehörten. Der Angriff gelte allen Juden, daher müßten auch alle gemeinsam sich verteidigen. Der Verein stehe selbstverständlich auf dem Boden der Treue zu Kaiser und Reich, der Liebe zum Baterlande, dem die Juden stets in Krieg und Frieden gern mit Gut und Blut gedient hätten. Die Juden in Preußen hätten für das Vaterland die Waffen freiwillig ergriffen, noch ehe ihnen das Bürgerrecht gewährt worden wäre. Männer wie Rießer, Kosch, Laster, Bamberg er, den Momwsen in seiner Denkrede „den Deutschesten der Deutschen" genannt, hätten an der Schaffung der Rechtsformen für die Verfassung des neuen deutschen Reiches mitgearbeitet. Wie in den Kriegen 1866 und 1870/71 die Juden nicht minder als ihre christlichen Waffenbrüder ihre Pflicht getan hätten, so dienten auch jetzt, trotz aller bitteren Erfahrungen zahlreiche Juden dem Vaterlande in uneigennütziger, selbstloser Arbeit in Stadtverwaltungen, Anwalt- und Aerztekammern, Bildungs-