Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-02-01
- Page
- 96 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316766-2316769--17391-2339618- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
96 Im deutschen Neich. schwieg dies das Antisemitenblatt und besprach das Vorkommnis nur noch in einer Weise, die unverkennbar die Absicht erkennen ließ, dem „arischen" Einbrecher Milderungsgründe zuzuerkennen. Und solche Leute baden in Wien Oberwasser! Noch schlimmer treiben es die den „Verband der eckt russischen Leute" bildenden Antisemiten, die in Amtzland bau Zaren sich als Heiser und Beschützer aufgedrängl haben. Wie der Herausgeber des „Volksblattes", Vergani den Wiener Christlich-Sozialen zum Tanze aufspielt, so hat bisher der Dumaabgeordnete P u r i s ch k e w i t s ch in dem „Verband der russischen Leute", obgleich er nur dessen Vizepräsident' war, die erste Geige gespielt, bis dies vielen Berbandsmitgliedern unerträglich wurde. Ohne den Vorsitzenden zu befragen, ordnete er an, daß alle Filialen des Verbandes sowohl beim Zaren als beim Dumaprüsidenten um Beschleunigung der Durchsicht der Universitätsinterpellation petitionieren sollten. Dies hatte zur Folge, daß sowohl in Zarskoje Selo wie in der Duma täglich 30 bis 40 Telegramme von allen Enden Rußlands einliefen, welche die Beschleunigung der Interpellation über die Universitäten erbaten, die als Revolutionsherd bezeichnet wurden. Dieser eigenmächtige Schritt von Purischkewitsch veranlaßte den Präsidenten des Verbandes, Dr. Dubrowin, ihn und noch drei andere Begründer des Verbandes zum Ausscheiden aus dem Verband zu zwingen. Der „Beherrscher aller Reußen", wie sich der Zar nennen läßt, brauchte sich von solchen „echt russischen Leuten" nicht schützen oder gar beherrschen zu lassen, wenn er sich wirklich stets als Beherrscher aller Russen gefühlt und demgemäß gehandelt hätte. Wo gleiches Recht für alle Bürger gilt, kann es weder eine Kamarilla der Höflinge, noch eine solche des Demos geben: dort ist der König im besten Sinne des Wortes unbeschränkt, denn die eine Freiheit, die mit Recht gepaart ist und alle frei macht, schasst auch ihm volle Freiheit. A. L.