Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-02-01
- Page
- 91 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 91 Offrziersstanö einbringen möchten? Weiß sie denn nicht, oder will sie nicht wissen, daß die Verhältnisse dieses Standes, die sie beständig als verbesserungsbedürftig hinstellt, doch keineswegs dazu angetan sind, die Juden zu solchem Eindringen anzueifern, daß, wenn die Frage überhaupt von jüdischer Seite angeschnitten wird, dazu kein anderer Anlaß vorhanden ist, als die kränkende Empfindung, daß der vollständige Ausschluß der ihrem (Glauben treu bleibenden Juden von Ehrenstetten im Heere ihnen unberechtigterweise den Stempel der Minderwertigkeit ausdrückt? Die Lage der ersten Juden, die in Friedenszeiten infolge eines liberalen Aufschwungs' den Offiziersrang erhalten würden, dürste keine beneidenswerte sein: denn in einer abgeschlossenen Kaste pflegen langjährige Vorurteile so tief eingewurzelt zu sein, daß sich auch bessere Elemente schwer von ihnen zu befreien vermögen. Wenn ein Antisemitenblatt die in beu Offizierskreisen jetzt gegen Maximilian Harden vorhandene Mißstimmung dazu benutzte, die Frage aufzuwerfen, ob man etwa solchen Juden wie diesem die Offizierskarriere oder Beamtenlaufbahn eröffnen könne, so rechnete es auf die Geisteshöhe der Leser, die jenes Blatt verdient. Alle anderen Leute wissen sehr gut, daß nur das Glaubensbekenntnis und nicht etwa die jüdische Abstammung ein Hindernis ist, in der Verwaltung oder im deutschen Heere Ehrenstellen zu erlangen. Sie wissen auch, daß das von dem „alldeutschen" Herrn Or. Ernst Wächter in einen: im „Tag" veröffentlichen Artikel empfohlene Mittel, „die Kraft und Schönheit germanischer Art zu erhalten: eine planvolle Gattenwahl durch eine Selbstzucht der Gesellschaft" gerade von der Gesellschaft, aus der sich das Offizierkorps rekrutiert, keineswegs nach dem antisemitischen Rezept zur Anwendung gelangt, der Adel, vielmehr seit langer Zeit das Vorurteil gegen Verschwägerungen mit reichen jüdischen Familien abgelegt hat. Der Rassendünkel wurzelt in ganz anderen Volksschichten und wird von solchen zumeist zur Schau getragen, die der Physiognomiker weit eher für Abkömmlinge von Hunnen als für Germanensprößlinge ansehen würde. Aehnlich verhält es sich auch mit dem Stiefbruder des „Rassendünkels", dem