Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-02-01
- Page
- 89 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. m Absicht vorhanden ist, früher oder später dieser Wühlerei energisch entgegenzutreten, wissen die Antisemiten, die sich gegen diese Gefahr dadurch zu fcfjül^eit suchen, daß sie jeden Versuch, ihrer Unbescheidenheit einen Damm zu setzen, im voraus auf „jüdische Mache" zurückführen und mit einer Macht drohen, die sie in Deutschland wenigstens keineswegs besitzen. Die „Welt am Montag" schreibt: „Am 2. Januar waren es 30 Jahre her, daß Stöcker in der berühmten Versammlung im „Eiskeller" in der Chausseestraße die christlich-soziale Partei begründete. Die Stöckersche Presse feiert diesen Erinnerungstag in schwungvollen Worten. Sie bezeugt damit, daß sie die Mahnung: „Mehr Bescheidenheit!", die einst ihr Meister an die Jude u richtete, sich selbst zu Herzen genommen hat. In 30 I a h r e n hat es die christlich - soziale Partei auf ganze drei Abgeordnete gebracht. Wenn sie sich in demselben Tempo weiter entwickelt, wird sie bereits an 120 Jahren 15 Abgeordnete und damit das Recht haben, selbständige Anträge einzubringen." Dieser ironische Hinweis aus den Mißerfolg unserer schlimmsten Gegner darf uns jedoch nicht in Sicherheit einlullen und zur Trägheit verleiten. Unartige Kinder, die wie die unbescheidenen Antisemiten schreien, bekommen nichts; artige Kinder, die, wie die deutschen Juden bisher in übergroßer Bescheidenheit es viele Jahrzehnte hindurch getan, schweigend abwarten, bis man ihnen das FesLzugesagte geben wird, bekommen aber erst recht nichts! Das muß und wird anders werden! Wir überschätzen das nicht, was die Antisemitenpresse in absichtlicher Uebertreibung als den Liberalen Einschlag der Regierung bezeichnet, aber wir appellieren laut und vernehmlich an hie Verfassungstreue der deutschen Regierungen und an den Rechtssinn des deutschen Volkes, mit dem es sich nicht verträgt, daß das, was uns rechtlich zugesichert ist, in der Praxis nicht zur Ausführung gelangt. Damit geht durch das öffentliche Leben ein Zug der UnrvahrchaftrgkeiL, der ihm auf die Dauer verhängnisvoll werden muß. Es ist dies ein Zug, der völlig undeutsch und in der Hauptsache darauf zurückzuführeu ist, daß sich Jahre hindurch maßgebende Persönlichkeiten durch die patriotischen, monarchischen und hu-